Page - 400 - in Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Image of the Page - 400 -
Text of the Page - 400 -
den Stationen in solche umfunktioniert, die ausschließlich mit
Covid-19 infizierte Patienten aufnahmen, und auch an der Uni-
versitätsklinik für Chirurgie waren Umstrukturierungen erforder-
lich. Es wurden die Stationen der Klinischen Abteilung für
Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universitätsklinik für
Zahnmedizin und Mundgesundheit ausschließlich für infizierte
Patienten frei gehalten, während die Patienten dieser Abteilung
vorübergehend in eine freigemachte Station der Universitätskli-
nik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde verlegt wurden.
Kröll: Neuerungen in einem System bedeuten meist Widerstand. Wie rasch
konnten Sie jene Klinikvorstände bzw. Abteilungsleiter, die in ihrem
Bereich über Intensivbehandlungs- und Beatmungsplätze verfügen, so
weit verpflichten, dass zumindest eine angemessene Zahl an solchen
Betten verfügbar war?
Köle: Widerstände gegenüber den erforderlichen Maßnahmen hat es
keine gegeben. Vielmehr haben alle Klinikvorstände und Abtei-
lungsleiter unterstützend mitgearbeitet. Es war eher die Komple-
xität der Vorgaben von zuständigen Ministerien und anderen vor-
gesetzten Stellen, die zumindest zum Zeitpunkt der Anordnung
vielleicht nicht immer logisch und nachvollziehbar durchdacht
waren. Aber aus meiner Sicht liegt dies in der Natur der Sache,
vor allem dann, wenn man es mit einer derart komplexen Situati-
on zu tun hat.
Kröll: Mussten Patienten, die auf Intensivstationen bereits in Behandlung
waren und bei denen absehbar war, dass diese Behandlungen noch län-
gere Zeit in Anspruch nehmen würden, in andere Krankenanstalten
verlegt werden, oder ist es gelungen, dennoch ausreichende Kapazitäten
zur Verfügung zu stellen?
Köle: Grundsätzlich war es angedacht, Intensivpatienten in andere
Krankenhäuser, in denen die Versorgung ebenfalls gewährleistet
worden wäre, zu transferieren. Das hat aber nicht funktioniert,
sodass wir auch diese nicht-infizierten Patienten an unseren In-
tensivstationen weiter behandeln mussten. Wir haben dies unter
Aufwendung aller möglichen Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen
durchgeführt, vor allem mit dem Ziel, diese Patienten nicht zu
gefährden und zu infizieren. Und wir können rückblickend fest-
stellen, dass uns dies sehr gut gelungen ist.
Christa Tax, Gebhard Falzberger, Wolfgang Köle – befragt von Wolfgang Kröll
400
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
back to the
book Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik