Page - 401 - in Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Image of the Page - 401 -
Text of the Page - 401 -
Kröll: Sie beschäftigen etwas mehr als 1.500 ärztliche Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter (landesbedienstete Ärzte, aber auch Mitarbeiter der Medi-
zinischen Universität Graz, die zur Patientenversorgung zugeteilt
sind). War es möglich, alle zu schützen, d. h., hatten Sie ausreichend
Schutzanzüge und Masken zur Verfügung? Falls nein, wie sind Sie da-
mit umgegangen?
Köle: Beim Ausbruch der Infektion waren Masken und Schutzanzüge
nicht in ausreichender Menge verfügbar – wobei aber auch die
Wünsche der Mitarbeiter im Hinblick auf den erforderlichen Be-
darf sehr individuell gestaltet waren und diese nicht immer den
Empfehlungen der Fachärzte für Hygiene bzw. der Fachärzte für
Infektiologie entsprochen haben. Da waren auch erhebliche Auf-
fassungsunterschiede zwischen einzelnen Mitarbeitern: Es gab sol-
che, die sich komplette Schutzanzüge wünschten, andere waren
der Meinung, ein Mund- und Nasenschutz mittels Maske sei be-
reits ausreichend. Aber wir haben das anlassbezogen gelöst, d. h.
zumindest in jenen Bereichen, in denen infizierte Patienten be-
handelt worden sind, konnten die Mitarbeiter damit rechnen,
dass sie alle erforderlichen Schutzmaßnahmen erhalten. Es sind
schließlich auch ausreichend Schutzanzüge zur Verfügung gestan-
den. Es wurde aber sehr bald erkannt, dass diese Schutzanzüge für
gewisse Tätigkeiten, wie z. B. die Kommunikation, aber auch die
Auskultation, eher hinderlich sind. Aber grundsätzlich muss fest-
gehalten werden, dass man aus der Erkrankung gelernt hat – auch
wie mit dieser Thematik korrekt umzugehen ist. Dann haben sich
auch die Begehrlichkeiten geändert und man hat sich wieder auf
ein geordnetes Arbeitsumfeld besonnen. Aber überschießende Re-
aktionen der ärztlichen Mitarbeiter sind auch verständlich, wenn
man an Bilder aus italienischen Krankenhäusern denkt.
Kröll: Haben sich ärztliche Mitarbeiter mit diesem Virus infiziert – während
eines Urlaubsaufenthaltes bzw. während der Behandlung von infizier-
ten Patienten innerhalb des Krankenhauses?
Köle: Auch in meinem Verantwortungsbereich haben sich Mitarbeiter
infiziert, und zwar sowohl während der beruflichen Tätigkeit als
auch im privaten Umfeld. Selbstverständlich auch im Urlaub, so
z. B. beim Wintersport am Arlberg. Aber es gab auch die Situati-
on in einem peripheren Standardkrankenhaus, wo Mitarbeiter,
die auf einer Kreuzfahrt am Nil unterwegs gewesen waren, infi-
ziert, jedoch ohne Symptome, zur Arbeit erschienen sind, nicht
wissend, dass sie andere Mitarbeiter und Patienten gefährden
Der Umgang mit der Covid-19 Krise aus der Sicht der eines Universitätsklinikums
401
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
back to the
book Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise"
Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik