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Kröll: In diesem Zusammenhang: In den Medien wurde in den letzten Wo-
chen auch das Nebenbeschäftigungsverbot von Ärzten während dieser
Krisenzeit diskutiert und kritisiert. Wie gehen Sie damit um? Finden
Sie es richtig, diese Nebenbeschäftigungen zu verbieten? Oder wäre es
eine Lösung, Patienten, die auf eine Behandlung warten müssen bzw.
mussten, in Ordinationen von als Wahlärzte tätigen Kollegen zu be-
handeln? Wäre es aus Ihrer Sicht auch eine Möglichkeit, operative Ein-
griffe von Kollegen dieses Hauses in Privatkrankenanstalten durchfüh-
ren zu lassen, zumindest so lange, bis die Wartelisten wieder einiger-
maßen abgearbeitet sind?
Köle: Grundsätzlich ist aus meiner Sicht nichts dagegen einzuwenden,
wenn Kolleginnen und Kollegen neben ihrer klinischen Tätigkeit
in Ordinationen oder auch in Privatkrankenanstalten tätig sind.
Aber man muss auch hinzufügen, dass in Zeiten des Shutdowns
auch die Privatkrankenanstalten ihre Leistungen heruntergefah-
ren haben. Auch diese Krankenanstalten hatten dieselben Aufla-
gen wie alle anderen Kliniken und Krankenhäuser und haben da-
her nur dringliche Patienten bzw. Notfälle behandelt. Bezüglich
Wahlarztordinationen: Aus meiner Sicht dürften die Warteräume
in diesen Praxen nicht so gestaltet sein, dass man tatsächlich sehr
viele Patienten untersuchen kann. Aber als ärztlicher Direktor des
Klinikums ist es mir lieber, dass man Patienten, die auf einer
Warteliste stehen, im LKH-Universitätsklinikum behandelt und
betreut, anstatt dies in einer Privatkrankenanstalt zu tun.
Kröll: Wie erklären Sie Patienten, die bereits vor der Covid-19-Pandemie sehr
lange auf einen operativen Eingriff warten mussten, dass es jetzt noch
länger dauern wird? Wie geht man als Arzt damit um, dass solche
Menschen entweder wesentlich längere Zeit an starken Schmerzen lei-
den müssen (ich denke dabei an orthopädische Operationen) oder dass
sie sogar auf einer Warteliste versterben werden (ich denke dabei an
Herzoperationen)?
Köle: In diesem Zusammenhang ist es nur möglich, die betroffenen Pa-
tienten dahingehend zu informieren, dass alles getan wird, um sie
so rasch als möglich zu behandeln. Man kann die Patienten um
Verständnis bitten und hoffen, dass sie dies akzeptieren. Die Kri-
sensituation und damit die Verschiebung von Operationen und
medizinisch erforderlichen Behandlungen ist ja nicht hausge-
macht, sondern wurde von außen in unser Land, in unsere Stadt,
in unser Krankenhaus hineingetragen.
Christa Tax, Gebhard Falzberger, Wolfgang Köle – befragt von Wolfgang Kröll
404
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik