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Kröll: War es aus Ihrer Sicht richtig, diese Maßnahmen zu setzen, oder hätte
möglicherweise ein weniger restriktives Vorgehen ebenfalls zum glei-
chen Erfolg geführt?
Köle: Die Maßnahmen, die von der Bundesregierung getroffen und an-
geordnet wurden, waren korrekt. Es wurde meiner Meinung nach
von allen Verantwortlichen korrekt gehandelt: seitens der Regie-
rung, seitens der KAGes, aber auch seitens der Medizinischen
Universität Graz. Sollte es wieder einmal zu einer solchen Krisen-
situation kommen, kann man nur empfehlen, vor allem was den
Krankenhausbereich betrifft, mehr oder weniger in gleicher bzw.
ähnlicher Weise bei der Bewältigung vorzugehen. Man hat aber
auch sehr viel gelernt hinsichtlich der Bereitstellung von Schutz-
ausrüstungen und Desinfektionsmitteln.
Kröll: Nun scheint ja die Krise langsam wieder vorbei zu sein und alle sind
dabei, die Systeme wieder hochzufahren. Wie läuft das in Ihrem Ver-
antwortungsbereich? Sind Sie aus ärztlicher Sicht wieder im Vollbe-
trieb oder sind Sie erst langsam dabei, wieder das gesamte Spektrum
medizinischer Leistungen des Krankenhauses anzubieten?
Köle: Der Betrieb unseres Klinikums ist weitgehend hochgefahren, wir
laufen bereits seit längerem im Vollbetrieb. Reduktionen ergeben
sich selbstverständlich noch aus den einzuhaltenden Vorsichts-
maßnahmen in Ambulanzen, Wartebereichen etc., aber ich bin
überzeugt, dass etwa Mitte Juni der Betrieb wieder vollständig
hochgefahren sein wird.
Kröll: Und was haben Sie persönlich für sich, für Ihr privates Umfeld, aber
auch für Ihren Verantwortungsbereich innerhalb des Klinikums mitge-
nommen? Gibt es etwas, das Sie ändern möchten oder ändern werden?
Köle: Da gibt es vieles, was ich für mich persönlich aus der Krise gelernt
habe. Ein wichtiger Aspekt ist die Form der Kommunikation: Ich
bin überzeugt, dass man an der Krisenkommunikation einiges
verbessern kann. Ich bin auch überzeugt, dass eine Digitalisie-
rungsinitiative stattfinden muss, teilweise auch schon stattfindet;
ich bin überzeugt, dass das LKH-Universitätsklinikum die Rolle
als Zentralkrankenhaus sehr gut wahrgenommen hat, aber eine
weitere Stärkung benötigt, um in Zukunft selbstständiger agieren
zu können. Möglicherweise haben die Vorstände und Abteilungs-
leiter eine andere Einstellung zu zentralen Vorgaben, damit sind
aber nicht jene des Direktoriums des Klinikums gemeint. Die
meisten Gedanken und Argumente, die von den Klinikvorstän-
Der Umgang mit der Covid-19 Krise aus der Sicht der eines Universitätsklinikums
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik