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Fragen an Annika Thonhofer und Karin Gubisch
Wolfgang Kröll: Sie sind noch nicht sehr lange als diplomierte Gesundheits-
und Krankenpflegerin tätig: Wie haben Sie für sich per-
sönlich, für ihre Familie, aber auch für ihre Patientinnen
und Patienten diese Situation erlebt?
Karin Gubisch: Persönlich hat mich diese Krise nicht besonders be-
troffen; meine Eltern sind noch jung und somit auch
keiner Risikogruppe zuzurechnen. Beruflich konnte
ich jedoch schon erfahren, dass die angeordneten
Schutzmaßnahmen und auch die Besuchsverbote be-
sonders für die Angehörigen eine große Herausforde-
rung dargestellt haben.
Annika Thonhofer: Für mich persönlich war diese Krise eine Situation,
die ich so noch nie erlebt habe; für mich persönlich
war die plötzliche Umstellung mit zwei schulpflichti-
gen Kindern, die plötzlich zu Hause waren und kei-
nen Kontakt mehr mit ihren Freunden hatten, eine
große Herausforderung. Für die Patienten hingegen
war es vielleicht sogar ein Vorteil, weil es im Klini-
kum sehr ruhig war und die Patienten diese Ruhe
auch genossen haben. Des Weiteren war es eine He-
rausforderung, den Kontakt zu den Angehörigen auf-
rechtzuerhalten – wir haben die Angehörigen mit
technischen Hilfsmitteln wie Skype oder unserem
MyTobii (Augensteuerungsgerät) gut einbeziehen
und abholen können.
Wolfgang Kröll: Aus ihrer Perspektive: Waren die von der Bundesregierung
verordneten Maßnahmen überschießend oder finden Sie,
dass sie dem Umstand entsprechend adäquat waren?
Karin Gubisch: Grundsätzlich bin ich schon der Meinung, dass die
Anordnungen der Bundesregierung zum richtigen
Zeitpunkt getroffen worden sind; obwohl man auch
sagen muss, dass manche Anordnungen nachvollzieh-
bar, andere hingegen nicht unbedingt nachvollzieh-
bar sind. Insbesondere die Abstandsregelungen und
das Tragen von Schutzmasken können von den Ange-
hörigen der Patienten nicht mehr nachvollzogen wer-
den, denn einerseits ist diese Pflicht jetzt allgemein
aufgehoben, in den Krankenanstalten jedoch gilt sie
III.
W. Schippinger, G. Pichler, H. J. Hohensinner, A. Thonhofer, K. Gubisch
418
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik