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man doch nicht so einfach von heute auf morgen zusper-
ren! Ich kann ja nicht die Angehörigen anrufen und sagen:
âIhr mĂŒsst jetzt sofort eure Verwandten abholen!â All das
und noch vieles mehr ging mir damals durch den Kopf.
Platzer: Frau Pichler, Sie leiten seit etwa 14 Jahren das Pflegeheim Zer-
lach mit insgesamt 37 BewohnerInnen und ĂŒber vierzig Mitar-
beitenden. Was waren Ihre ersten Gedanken, als die WHO am
11. MÀrz 2020 die Covid-19-Krankheit zur Pandemie erklÀrt
hat?
Pichler: Da waren wir schon mitten in den Ăberlegungen, was das
fĂŒr uns bedeuten wird und welche vorbeugenden MaĂnah-
men es fĂŒr unser Haus zu treffen gilt, um Infektionen zu
vermeiden. Es war fĂŒr uns schon vor der WHO-ErklĂ€rung
klar, dass das Virus uns ziemlich betreffen wird.
Platzer: Wann etwa war Ihnen das bereits bewusst?
Pichler: Die erste Dienstbesprechung dazu hat es schon Anfang
MĂ€rz gegeben. Da hat es bereits erste Dienstanweisungen
fĂŒr die MitarbeiterInnen gegeben. Das Schwierige war, dass
es keine validen Informationen und PlÀne gab, wie wir im
Haus damit umgehen sollen. Das war eine völlig neue Situa-
tion fĂŒr alle Beteiligten.
Platzer: Welche SchutzmaĂnahmen haben Sie zunĂ€chst fĂŒr sich selbst
und Ihre MitarbeiterInnen getroffen?
Pichler: Das Allererste war die Anweisung, die eigenen Kontakte zu
kontrollieren und Abstand zu halten. Eine Mitarbeiterin
war zum Beispiel zu dieser Zeit auf Urlaub in Tirol. Diese
ist dann freiwillig 14 Tage zu Hause geblieben. Erst mit der
Zeit erhielten wir dann erste Informationen sowie die Auf-
forderung, Schutzkleidung zu organisieren. Dann waren
wir wochenlang damit beschÀftigt, Desinfektionsmittel,
Masken und Schutzkleidung zu organisieren. Das war aber
Ă€uĂerst schwierig, weil zu diesem Zeitpunkt kaum etwas
verfĂŒgbar war. Auch unsere regelmĂ€Ăigen Bestellungen
wurden auf einmal nicht mehr geliefert.
Derler: Alle KollegInnen haben zunÀchst ihre notwendigsten per-
sönlichen Sachen von zu Hause mit ins Pflegeheim genom-
men, denn wir mussten damit rechnen, dort fĂŒr eine gewis-
se Zeit isoliert zu werden. Dann haben wir sofort im Ein-
gangsbereich eine Art Barriere mit Desinfektionsmöglich-
Corona im Pflegeheim. Ein Erfahrungsbericht aus der Praxis
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, MenschenwĂŒrde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik