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3 HERRSCHAFT UND UNTERTAN
Jeder kriegerische Angriff von auĂźen birgt neben der unmittelbaren Gefahr fĂĽr Land
und Leute stets auch eine immanente Bedrohung bestehender Herrschaftsordnungen.
Denn mit dem Versuch einer möglichst effektiven Mobilisierung gegen den Feind wird
der auf verschiedene Weise gerechtfertigte FĂĽhrungsanspruch der Elite im Herrschafts-
gebiet selbst auf eine ernste Probe gestellt. Gerade in Zeiten des Kriegs ist deshalb das
BedürfnisnachHerrschaftsaf rmationund-legitimationbesondersausgeprägt,umdie
Loyalität der Untertanen zu ihrem Land und seiner Führung zu sichern. Nach der
bereits im Mittelalter entwickelten Korporationslehre konstituiert sich ein Volk ĂĽber
seineVertretungdurcheineHerrscherpersönlichkeit.AlsHaupteinesorganologischge-
dachten Staats kommt ihr eine Sonderstellung zu – nicht nur durch ihre autoritative
Führung, sondern auch durch die Aufgabe, den vielteiligen Staatskörper zu repräsen-
tieren.1 Dies setzt freilich den politischen RĂĽckhalt durch Untertanen voraus, die den
FĂĽhrungsanspruch des Herrschers und seines Herrschaftsapparats akzeptieren. In der
Zeit des sich herausbildenden Absolutismus entwickelte Thomas Hobbes diese Vor-
stellung einer Identitäts-Repräsentation, die den Konsens zwischen Untertanen und
Repräsentanten voraussetzte, zur Auffassung einer Repräsentationsbeziehung weiter, in
der der Souverän das Volk inkorporiert.2 Von der Notwendigkeit, seine Herrschaft zu
legitimieren, entband freilich auch diese staatsrechtliche Vorstellung den absolutisti-
schen Herrscher nicht. Ein zentrales Mittel, um das gesellschaftliche Gefüge sinnfällig
zu machen, ist ritualisierte Repräsentation, die die strukturerhaltende Kontinuität der
sozialen Hierarchie herausstellt und die in der Person des Herrschers transportierten
Wert- und Ordnungszusammenhänge öffentlich wahrnehmbar macht. In den signi -
kanten Ausprägungen des hö schen Lebens, in der zeremoniellen Vergegenwärtigung
des gesellschaftlichen Status, in Machtdemonstrationen, Verhaltenscodes und Hand-
lungsmodellen wird das Verhältnis zwischen Herrschenden und Beherrschten je neu
vergegenwärtigtundstabilisiert.
Konstitutives Moment erbmonarchischer Systeme ist die dynastische Geschlechter-
abfolge, die die kontinuierliche Besetzung der politischen Spitzenpositionen garantiert
1 Vgl. Hasso Hofmann: Repräsentation. Studien zur Wort- und Begriffsgeschichte von der Antike bis ins
19. Jahrhundert.Berlin:Duncker&Humblot1998,S.116ff.
2 Vgl. Adalbert Podlech: Repräsentation. In: Otto Brunner/Werner Conze/Reinhart Koselleck (Hg.): Ge-
schichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Bd.5.
Stuttgart: Klett-Cotta 1984, S.509– 547. – Hedda Ragotzky/Horst Wenzel (Hg.): Hö sche Repräsentation.
Das Zeremoniell und das Zeichen. Tübingen: Niemeyer 1990. – Horst Wenzel: Repräsentation. In: Real-
lexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Neubearbeitung. Hg. von Jan-Dirk Müller. Bd. III: P – Z.
Berlin/New York: de Gruyter 2003, S.268– 271. – Horst Wenzel: Hö sche Repräsentation. Symbolische
KommunikationundLiteraturimMittelalter.Darmstadt:Wiss.Buchgesellschaft2005.– JanAndres/Alexa
Geisthövel/MatthiasSchwengelbeck(Hg.):DieSinnlichkeitderMacht.HerrschaftundRepräsentationseit
derFrühenNeuzeit.Frankfurta.M./NewYork:Campus2005.– AlbrechtKoschorke:ParadoxienderSou-
veränität. In: Albrecht Koschorke [u.a.] (Hg.): Der ktive Staat. Konstruktionen des politischen Körpers
inderGeschichteEuropas.Frankfurta.M.:Fischer2007,S.113– 119.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Title
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Subtitle
- Eine andere Literaturgeschichte
- Authors
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 652
- Keywords
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen