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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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3 HERRSCHAFT UND UNTERTAN Jeder kriegerische Angriff von außen birgt neben der unmittelbaren Gefahr für Land und Leute stets auch eine immanente Bedrohung bestehender Herrschaftsordnungen. Denn mit dem Versuch einer möglichst effektiven Mobilisierung gegen den Feind wird der auf verschiedene Weise gerechtfertigte Führungsanspruch der Elite im Herrschafts- gebiet selbst auf eine ernste Probe gestellt. Gerade in Zeiten des Kriegs ist deshalb das BedürfnisnachHerrschaftsaf rmationund-legitimationbesondersausgeprägt,umdie Loyalität der Untertanen zu ihrem Land und seiner Führung zu sichern. Nach der bereits im Mittelalter entwickelten Korporationslehre konstituiert sich ein Volk über seineVertretungdurcheineHerrscherpersönlichkeit.AlsHaupteinesorganologischge- dachten Staats kommt ihr eine Sonderstellung zu – nicht nur durch ihre autoritative Führung, sondern auch durch die Aufgabe, den vielteiligen Staatskörper zu repräsen- tieren.1 Dies setzt freilich den politischen Rückhalt durch Untertanen voraus, die den Führungsanspruch des Herrschers und seines Herrschaftsapparats akzeptieren. In der Zeit des sich herausbildenden Absolutismus entwickelte Thomas Hobbes diese Vor- stellung einer Identitäts-Repräsentation, die den Konsens zwischen Untertanen und Repräsentanten voraussetzte, zur Auffassung einer Repräsentationsbeziehung weiter, in der der Souverän das Volk inkorporiert.2 Von der Notwendigkeit, seine Herrschaft zu legitimieren, entband freilich auch diese staatsrechtliche Vorstellung den absolutisti- schen Herrscher nicht. Ein zentrales Mittel, um das gesellschaftliche Gefüge sinnfällig zu machen, ist ritualisierte Repräsentation, die die strukturerhaltende Kontinuität der sozialen Hierarchie herausstellt und die in der Person des Herrschers transportierten Wert- und Ordnungszusammenhänge öffentlich wahrnehmbar macht. In den signi - kanten Ausprägungen des hö schen Lebens, in der zeremoniellen Vergegenwärtigung des gesellschaftlichen Status, in Machtdemonstrationen, Verhaltenscodes und Hand- lungsmodellen wird das Verhältnis zwischen Herrschenden und Beherrschten je neu vergegenwärtigtundstabilisiert. Konstitutives Moment erbmonarchischer Systeme ist die dynastische Geschlechter- abfolge, die die kontinuierliche Besetzung der politischen Spitzenpositionen garantiert 1 Vgl. Hasso Hofmann: Repräsentation. Studien zur Wort- und Begriffsgeschichte von der Antike bis ins 19. Jahrhundert.Berlin:Duncker&Humblot1998,S.116ff. 2 Vgl. Adalbert Podlech: Repräsentation. In: Otto Brunner/Werner Conze/Reinhart Koselleck (Hg.): Ge- schichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Bd.5. Stuttgart: Klett-Cotta 1984, S.509– 547. – Hedda Ragotzky/Horst Wenzel (Hg.): Hö sche Repräsentation. Das Zeremoniell und das Zeichen. Tübingen: Niemeyer 1990. – Horst Wenzel: Repräsentation. In: Real- lexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Neubearbeitung. Hg. von Jan-Dirk Müller. Bd. III: P – Z. Berlin/New York: de Gruyter 2003, S.268– 271. – Horst Wenzel: Hö sche Repräsentation. Symbolische KommunikationundLiteraturimMittelalter.Darmstadt:Wiss.Buchgesellschaft2005.– JanAndres/Alexa Geisthövel/MatthiasSchwengelbeck(Hg.):DieSinnlichkeitderMacht.HerrschaftundRepräsentationseit derFrühenNeuzeit.Frankfurta.M./NewYork:Campus2005.– AlbrechtKoschorke:ParadoxienderSou- veränität. In: Albrecht Koschorke [u.a.] (Hg.): Der ktive Staat. Konstruktionen des politischen Körpers inderGeschichteEuropas.Frankfurta.M.:Fischer2007,S.113– 119.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Title
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Subtitle
Eine andere Literaturgeschichte
Authors
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
652
Keywords
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800