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186 HERRSCHAFT UND UNTERTAN
das Gespräch wenig Interessantes; mundartliche Panegyrik ndet sich in Bayern des
18.Jahrhundertsgenerellwenig,undwenndoch, istderDialektrechtschwachmarkiert.
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Schuf die Geburt die personellen Vorausetzungen für die dynastische Kontinuität, so
sollte die planmäßige Verheiratung der Herrschersprosse den Fortbestand der regie-
renden Häuser sichern. Es galt, durch gezielte Verbindungen mit anderen Herrscher-
familien strategische Allianzen zu schaffen, sich über Erbschaftsverhältnisse möglichen
territorialen Zugewinn oder politischen Ein uss zu sichern oder Kriegsparteien zu be-
frieden. Die effektive Heiratspolitik der Habsburger fand im vielzitierten barocken Di-
stichon Bella gerant alii, tu felix Austria nube | Nam quae Mars aliis, dat tibi diva
Venus` ihre (zuweilen auch spöttisch interpretierte) Würdigung.33 Doch auch diese Po-
litik gehörte entsprechend vermittelt, zumal in einer Zeit, in der man mit politischen
Schwierigkeitenzukämpfenhatte.
Es ist vielleicht der begabte unbekannte Autor der Bueben zu Wienn, der schon im
Jahrzuvor füreinedreiteiligeHuldigungsschrift zurFedergriff,die imZusammenhang
mit der Hochzeit Erzherzogin Maria Annas (der jüngeren Schwester Maria Theresias)
mit Karl Alexander von Lothringen (dem Bruder Franz Stephans) 1744 und deren
darauffolgender Abreise in die österreichischen Niederlande, wo das Paar die Statthal-
terschaft antreten sollte, entstand. Die Texte sind als Brief ktion gestaltet; kein Zufall,
sondern ein europaweiter Trend, bei dem in der Nachfolge von Montesquieus Lettres
persanes derkritischeBlickdesreisendenFremdenaufgesellschaftlichBemerkenswer-
tes oder Problematisches im Mittelpunkt stand. Auch in der komischen Literatur kam
diese
distanzlose`ErzählhaltungverstärktzumEinsatz,dasiestärkernochalsder Bau-
erndiskurs` die narrative Unmittelbarkeit des Gesehenen und Geschehenen vermitteln
und aus der metri zierten Verschriftlichung des Authentizität suggerierenden Münd-
lichen noch zusätzlich Lacheffekte erzeugen konnte. Ganz in diese Richtung zielt auch
der Vorbericht des Verlegers, der neben interessanten Hinweisen zur richtigen Aus-
sprachedesverwendetenDialektsundderadäquatenschriftlichenUmsetzung explizit
den Stellenwert der Bauern gur in Texten dieser Art anspricht: Neben die belustigende
Funktion treten Werthaltungen wie Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Loyalität, wie sie
demprototypischengutenUntertanzukommen:
GEneigter Leser. Gegenwärtige Beschreibung ist ihrer Wahrheit, und Einfältigkeit wegen zum
Druck befördert worden. Gefallt dir die andere nicht, so ist gewiß, daß die erste bey dir al-
len Beyfall haben werde. Es ist über üssig, den Hergang, durch welchen solche mir zu Handen
gekommen,zuerzehlen;vielwenigernöthig,einundandereFehler,oderBäurischeArtenzuent-
schuldigen; du wirst Vernunft-mäßig nicht die Ausdruckungen, sondern das aufrichtige Gemüt
dieses einfältigen Baurens, dem sich alle getreue Oesterreicher gern zugesellen, in Betrachtung
ziehen, anbey aber geneigt in Acht nehmen, daß wegen der Oesterreichischen Mund-Art der
33 Vgl. u.a. Andrea Sommer-Mathis: Tu felix Austria nube. Hochzeitsfeste der Habsburger im 18. Jahr-
hundert. Wien: Musikwissenschaftlicher Verlag 1994. Alfred Kohler:
Tu felix Austria nube ... . Vom
Klischee zur Neubewertung dynastischer Politik in der neueren Geschichte Europas. In: Zeitschrift für
historischeForschung21(1994),S.461 482.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Title
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Subtitle
- Eine andere Literaturgeschichte
- Authors
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 652
- Keywords
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen