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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 186 HERRSCHAFT UND UNTERTAN das Gespräch wenig Interessantes; mundartliche Panegyrik ndet sich in Bayern des 18.Jahrhundertsgenerellwenig,undwenndoch, istderDialektrechtschwachmarkiert. * Schuf die Geburt die personellen Vorausetzungen für die dynastische Kontinuität, so sollte die planmäßige Verheiratung der Herrschersprosse den Fortbestand der regie- renden Häuser sichern. Es galt, durch gezielte Verbindungen mit anderen Herrscher- familien strategische Allianzen zu schaffen, sich über Erbschaftsverhältnisse möglichen territorialen Zugewinn oder politischen Ein uss zu sichern oder Kriegsparteien zu be- frieden. Die effektive Heiratspolitik der Habsburger fand im vielzitierten barocken Di- stichon ‚ Bella gerant alii, tu felix Austria nube | Nam quae Mars aliis, dat tibi diva Venus` ihre (zuweilen auch spöttisch interpretierte) Würdigung.33 Doch auch diese Po- litik gehörte entsprechend vermittelt, zumal in einer Zeit, in der man mit politischen Schwierigkeitenzukämpfenhatte. Es ist vielleicht der begabte unbekannte Autor der Bueben zu Wienn, der schon im Jahrzuvor füreinedreiteiligeHuldigungsschrift zurFedergriff,die imZusammenhang mit der Hochzeit Erzherzogin Maria Annas (der jüngeren Schwester Maria Theresias) mit Karl Alexander von Lothringen (dem Bruder Franz Stephans) 1744 und deren darauffolgender Abreise in die österreichischen Niederlande, wo das Paar die Statthal- terschaft antreten sollte, entstand. Die Texte sind als Brief ktion gestaltet; kein Zufall, sondern ein europaweiter Trend, bei dem – in der Nachfolge von Montesquieus Lettres persanes– derkritischeBlickdesreisendenFremdenaufgesellschaftlichBemerkenswer- tes oder Problematisches im Mittelpunkt stand. Auch in der komischen Literatur kam diese ‚ distanzlose`ErzählhaltungverstärktzumEinsatz,dasiestärkernochalsder ‚ Bau- erndiskurs` die narrative Unmittelbarkeit des Gesehenen und Geschehenen vermitteln und aus der metri zierten Verschriftlichung des Authentizität suggerierenden Münd- lichen noch zusätzlich Lacheffekte erzeugen konnte. Ganz in diese Richtung zielt auch der Vorbericht des Verlegers, der – neben interessanten Hinweisen zur richtigen Aus- sprachedesverwendetenDialektsundderadäquatenschriftlichenUmsetzung– explizit den Stellenwert der Bauern gur in Texten dieser Art anspricht: Neben die belustigende Funktion treten Werthaltungen wie Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Loyalität, wie sie demprototypischengutenUntertanzukommen: GEneigter Leser. Gegenwärtige Beschreibung ist ihrer Wahrheit, und Einfältigkeit wegen zum Druck befördert worden. Gefallt dir die andere nicht, so ist gewiß, daß die erste bey dir al- len Beyfall haben werde. Es ist über üssig, den Hergang, durch welchen solche mir zu Handen gekommen,zuerzehlen;vielwenigernöthig,einundandereFehler,oderBäurischeArtenzuent- schuldigen; du wirst Vernunft-mäßig nicht die Ausdruckungen, sondern das aufrichtige Gemüt dieses einfältigen Baurens, dem sich alle getreue Oesterreicher gern zugesellen, in Betrachtung ziehen, anbey aber geneigt in Acht nehmen, daß wegen der Oesterreichischen Mund-Art der 33 Vgl. u.a. Andrea Sommer-Mathis: Tu felix Austria nube. Hochzeitsfeste der Habsburger im 18. Jahr- hundert. Wien: Musikwissenschaftlicher Verlag 1994. – Alfred Kohler: „ Tu felix Austria nube ...“ . Vom Klischee zur Neubewertung dynastischer Politik in der neueren Geschichte Europas. In: Zeitschrift für historischeForschung21(1994),S.461– 482.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Title
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Subtitle
Eine andere Literaturgeschichte
Authors
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
652
Keywords
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800