Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Historische Aufzeichnungen
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
Page - 194 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 194 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte

Image of the Page - 194 -

Image of the Page - 194 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte

Text of the Page - 194 -

OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 194 HERRSCHAFT UND UNTERTAN Bruder, Maximilian III., noch keinen Erben hatte und sich eine Ausweitung des Reichs erhoffen ließ. Nur widerwillig fügte sich der frisch ernannte König in diese Hochzeit ausStaatsraisonundvermiednachderVermählungmöglichst jedenpersönlichenKon- takt. Als Josepha schließlich 1767 wie ihre Vorgängerin an den Pocken verstarb, blieb ihr Ehemann dem Begräbnis fern. Dass die kinderlose Ehe vermutlich nie vollzogen worden war, hielt Joseph allerdings nicht davon ab, nach dem Tod Maximilians und dem Aussterben der bayerischen Linie der Wittelsbacher Ansprüche auf Niederbay- ern und die Oberpfalz zu erheben und damit den Bayerischen Erbfolgekrieg auszulö- sen. Berühmter noch war der Besuch, den das Stift 1770 beherbergte: Erzherzogin Maria Antonia(1755– 1793),besserbekanntalsMarieAntoinette.DieDauphineverbrachte in Lambach ihre letzte Nacht auf österreichischem Boden, bevor es Richtung Frankreich weiterging, wo es zum ersten Zusammentreffen mit ihrem per procurationem angetrau- ten Ehemann, dem späteren König Ludwig XVI., kommen sollte. Drei Monate lang hatten sich Stift und Ort auf dieses Ereignis vorbereitet und ein ausgefeiltes Programm mit Theater, Tänzen und Feuerwerk zusammengestellt, um den illustren Gast standes- gemäß zu empfangen.47 Da der Ablauf des Festempfangs minutiös geplant war, konnte Lindemayr sein Lied Bi vor acht Tagen in Wochämark gwösen, das die Vorbereitungen undFeierlichkeitenausSichtderbäuerlichenBevölkerunghumorvollbeleuchtet, schon Wochen zuvor fertigstellen. Es ist der lebensnahe und humorvolle Quasi-Simultanbe- richt eines Spalier stehenden Bauern, der den Blick auf den prominenten Gast zum HöhepunkteinesUntertanenlebensstilisiert: DäßdiGottsSagrä!es thuetmäschonglückä; MeinäTreu,Nachbä! ihansschondäguckt. Schau,wies' so freundliauf innsher thuetblickä! Wiesäsinämlinit schnippert,undbuckt. HatsnitäGstältl,makannsnit somahlen, BluetrathiWängel, ä schneeweißiHaut. WirdsnFranzösischenBräuckänitgfallen, Daßer iehmsoäschönsDanerlausgschaut!48 2 i hans] ich habe sie däguckt] erspäht 4 schnippert] schnippern: schnippisch sein 7 Bräuckä] Bräutigam 8 Danerl]DiminutivzuAntonia Seine Glückwünsche am Ende des Lieds sollen für die Stimme des österreichischen Volks stehen, das für einen Tag die Unbilden des Alltags vergessen konnte – zumin- dest inder literarischenFiktion.InderRealitätbliebdasregnerischeWetterdesFesttags auchindenfolgendenWochenerhaltenundführte inderFolgezugroß ächigenÜber- schwemmungen und Missernten, die Ausschlag gaben für die letzte große Hungersnot 47 ZumKontextvgl.Lindemayr,Dialektlieder II,S.50ff. 48 Ebda.,S.12.
back to the  book Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte"
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Title
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Subtitle
Eine andere Literaturgeschichte
Authors
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
652
Keywords
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800