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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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Page - 233 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte

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BRÜCHIGE ORDNUNG: PROTEST- UND REVOLUTIONSGESÄNGE/WILDSCHÜTZEN- UND RÄUBERLIEDER 233 Zusammenhang mit der aufgeklärt-radikaldemokratischen Gedankenwelt der Wiener Jakobiner, die von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aller und der Installation ei- nes neuen Gesellschaftssystems träumten. Aber wie beim ‚ Eipeldauerlied` sah man die eigentliche Gefahr in der raschen Verbreitung durch die Einfachheit und Sangbarkeit desLieds.WasmitdessenAutor,der imVerhörgeduztwurdeundsichdurchauskoope- rativ zeigte, passierte, konnte bislang nicht in Erfahrung gebracht werden. Vermutlich büßte er seine dichterischen Versuche, die er „ vor eine Kurzweil“ 117 und ohne dezidiert politische Hintergedanken unternommen haben will, wie Hebenstreits Mitkämpfer mit schwererKerkerhaft. * Ähnlich strenge Strafen hatte auch eine im alpenländischen Raum vielfach besungene unddabeimythisierteundromantisierteGruppevonGesetzesbrechernzuerwarten:die Wilderer. Allein die Häu gkeit an entsprechenden Verordnungen und gesetzlichen Be- stimmungen zeigt, wie weit verbreitet Verstöße gegen fremdes Jagdrecht waren. Da die Wilderer jedoch in der Bevölkerung einen festen Rückhalt hatten, blieben Verbote und obrigkeitliche Versuche der Kriminalisierung herrschaftswidriger Jägerei in der Regel wirkungslos.Ausschlaggebenddafürwar,dassder illegaleAbschussdenUnterschichten nichtnureineMöglichkeitzurFleischbeschaffungbot,sondernauchdielandwirtschaft- lichen Schäden mildern konnte, die durch das zahlreiche Wild verursacht wurden – und deren Abwehr den Bauern ebenfalls meist verboten bzw. nur sehr eingeschränkt erlaubt war.118 Neben solchen wirtschaftlichen Gründen hatten freilich auch Faktoren wieTrotz,ÜbermutodersozialesRollenspielihrenAnteilamAnsehenderWilderer.Der JagderfolgderWildschützengaltalsherausragendeLeistung,dieTrophäenversprachen Anerkennung und Bewunderung.119 Auch als Männlichkeitsritual der unteren Schich- tenlässtsichdasWilderninterpretieren,dadiesesonstkaumGelegenheithatten,sichim eigenenUmfeldzupro lierenundStärkeundKühnheitzubeweisen.120Schließlichaber kommt dem Wildern auch eine politische Dimension zu, war doch das Luxusgut Wild- eisch den höheren Ständen vorbehalten. Mit der Missachtung des Jagdrechts konnte daher auch eine Form des Protests gegen die Obrigkeit verbunden sein, der allerdings inallerRegelregional,d.h.aufdieunmittelbarbekanntenGrundherrenoderobrigkeit- lichen Beamten, beschränkt blieb.121 Inwiefern ein solcher Protest freilich tatsächlich 117 ÖsterreichischesStaatsarchiv,VertraulicheAkten31, f. 615r. 118 Vgl.ThomasHochradner:ZurEntwicklungdesalpenländischenSingstilsamBeispieldesWildschützen- liedes. In:LiedundpopuläreKultur/SongandPopularCulture. JahrbuchdesDeutschenVolksliedarchivs 54(2009),S.133– 151,hier133f.– KristaRuehs:Auch„ böse“ MenschenhabenihreLieder.ZurRezeption von Wilderern in österreichischenVolksliedern des 18. bis 20. Jahrhunderts. In: Jahrbuch für Volkslied- forschung 29 (1984), S.32– 57, hier 42f. – Michaela Karl: Sozialrebellen in Bayern. Matthäus Klostermair, MichaelHeigl,MathiasKneißl.Regensburg:Pustet2003,S.91ff.– UweDanker:DieGeschichtederRäu- berundGauner.Düsseldorf/Zürich:Artemis&Winkler2001,S.187. 119 Vgl.Hochradner,AlpenländischerSingstil, S.136. 120 Vgl.Karl, Sozialrebellen,S.91,die sichhieraufeineThesederHistorikerinReginaSchultebezieht. 121 Vgl. ebda.,S.91undRuehs,Auch„ böse“ Menschen,S.48.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Title
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Subtitle
Eine andere Literaturgeschichte
Authors
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
652
Keywords
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Categories
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800