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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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KAUFRUFE 315 Kauftskreutzerweiß,groschenweiß,büttelweißein, DieweilmeineFrüchtenganzfrischgep üktsein, IhrHerren, ihrFrauen, ihr Jungfraunkauftein.Repet. 2teOebstl. KauftsRibisel,kauftsAgras,kauftsErdbeern,kauftsWeichsel, Ichsitzda,undlösnichts,das istdochzumDeichsel. Ichgeball's sowohl feil als immereinskann, UndbringmeineWaaresohartandenMann. IhrHerren, ihrFrauen, ihr Jungfrauensehtsan.Repet.120 2,1 Ribisel] Johannisbeeren Agras]Stachelbeere2,2 lös]verdiene Deichsel]Teufel Besonders hervorzuheben ist das Musikstück Der Wiennerische Tändlmarckt des Eisenstädter Hofkapellmeisters Gregor Joseph Werner (entstanden um 1745, ge- druckt 1754).121 Darin treten vier Figuren – ein „ Sagfäller“ (Sägefeiler), ein „ Savoiard“ (d.h.einHändlerausderSavoie,vgl.Kap.5),ein„ Hollähippen-Krämer“ undeinArzt– nacheinander jeweilsmitRezitativundArieauf.DieTextebeschränkensichdabeinicht auf das Anpreisen der Waren bzw. Dienstleistungen, sondern verweisen auch auf die Tradition der Lustspielarien mit ihren kurzen, humoristischen Typencharakterisierun- gen, bei denen sich Werner auch einer jeweils angepassten sprachlichen Gestaltung bedient.122 InderAriedes„ Sagfällers“ (BassoII)etwawirddieser– eingerahmtvonsei- nem langgezogenen Ruf – spöttisch als geistig eher beschränkter Mann dargestellt, was nichtzuletztdurchdieVertauschungderWörter„ kapiert“ und„ crepirt“ illustriertwird: Sagfälln diesi schwäriKunst hab initgleiumsunst inoänenTag inoänenTagcrepirtcrepirtcrepirtcrepirt inoänenTagcrepirt bißIerstglehrnthabaufdenTact recht fälln dieSagdieSag inZwingäräini spälln hatmirdenKopfverwürtverwürt denKopfverwürtdenKopfverwürt Sagfälln123 7 äinispälln]hineinzuspannen 120 DieFratschler-WeiberamSchanzel.ErstesStück.Wien,1791,S.6. 121 Zwey neue und extra lustige musicalische Tafel-Stücke. I. Der Wiennerische Tändlmarckt. Mit 4. Sing- stimmen, 2. Violinen und Basso ordinario. [...] II. Die Bauren-Richters-Wahl. Mit 5. Singstimmen, 2. Violinen und Basso ordinario. [...] Beyde Stücke, sind nach Art der Quodlibete eingerichtet [...]. Von dem Autore des Musicalischen Calenders Gregorio Josepho Werner, Hochfürstlich Estorhasischen Ca- pellmeistern zu Eisenstadt in Ungarn. Augspurg, Verlegt von Johann Jacob Lotters seel. Erben. [1754]. – Bereits 1933 nach einem Exemplar des British Museum ediert bei Hans Joachim Moser: Corydon, das ist: Geschichte des mehrstimmigen Liedes und des Quodlibets im Barock. Bd.2. Braunschweig: Litolff 1933,S.155– 179.– Neuedition(inPartiturform,mitGeneralbassaussetzungundangepassterSchreibung) durch Richard Moder (Hg.): Gregor Joseph Werner: Wienerischer Tandlmarkt. Partitur, Stimmen, Kla- vierauszug (vom Hg.). Wien, München: Doblinger 1961. (Diletto Musicale 81) – Werners Stück wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein mehrfach aufgegriffen und bearbeitet (vgl. dazu Deutsch, Wienerischer Tändelmarkt,S.35ff.,Klier,WienerKaufrufe,S.57f.undNeuhuber,WernersWerke inMundart). 122 MoserkonstatiertaucheinemusikalischePersonencharakteristik indeneinzelnenRezitativenundArien: „ Besonders der Savoyarde bekommt südliches Nationalkolorit (Pizzicato-Begleitung seiner Furlana) und derArzteinenmondänenZug.“ (Moser,CorydonI,S.89). 123 Werner,DerWiennerischeTändlmarckt,BassoII,S.1f.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Title
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Subtitle
Eine andere Literaturgeschichte
Authors
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
652
Keywords
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800