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318 LAND- UND STADTLEBEN
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Häfenz'bünden,Pfannaz' icken;
deckelaufd'Krüg, lasts sehn!
IstaLochimEinbrenn-Pfännel?
BrauchtderKrugaScharnier?
IchbingarakünstlichsMännel,
Menscherdrumkömtsnurz'mir;
Setz ichhaltanFleckaufsLoch,
NimmdarzuaSteffterlnoch
Glei istsg'schehn
Häfenz'bindenpp.131
1,3 enck Menschern] euch Mädchen Häfn] Topf zerkloben] zersprungen 1,4 Reinel] kleiner, acher Topf
Schrick]Sprung1,5ös] ihr1,7umma]herum2,3Einbrenn-Pfännel]PfannefürMehlschwitze2,10pp](Abk.
für lat.
pergeperge`)usw.
WeiteremusikalischeBearbeitungendesKaufruf-Themasausdem19.Jahrhundertzeu-
genvonderBeliebtheitwievondermusikalischenKraftderKaufrufe.132
Sitten-undModelieder
LiterarischfunktionalisierterDialektkennzeichnetvor1800oftBruchlinienineinerGe-
sellschaft, deren Ordnungssysteme sich ausdifferenzierten, sodass traditionelle soziale
RollenvorgabenihreSelbstverständlichkeitverloren.DerzunehmendeVerlusttranszen-
denterIdentitätsgarantenunddieInfragestellungüberlieferterLebensentwürfe imZuge
derAufklärungproblematisiertendieFragenachdemSelbstunddereigenenVerortung.
Als (scheinbar) konservative, beharrende Sprachform des unmittelbaren Alltagslebens
wurdeDialektgernezurMarkierungjenerEntwicklungeneingesetzt,dieherkömmliche
Integrationsmuster aufbrachen und neue De nitionen von Identitäten denkbar mach-
ten.DieIntentionkonntedabei freilichdurchausverschiedenseinundvonderbrüsken
Ablehnung der Modernisierungstendenzen als sündhafter Ordo-Bruch bis hin zur sati-
rischenAburteilungkonservativenDenkensreichen.
Unübersehbar noch dem Orientierungssystem katholischer Morallehre verp ichtet
istdas folgende,abderMittedes18. JahrhundertsweitverbreitetederbdrastischeSitten-
lied Die sieben Todsünden, das den barocken Vanitas-Gedanken zur Sündhaftigkeit des
Lebens koprolalisch überformt. Es beginnt mit einer so un ätigen wie witzigen Gleich-
setzung des Lebens mit einem Baurnschaiß (gemeint ist hier die Flatulenz, nicht die
Ausscheidung). In weiterer Folge werden die sieben Todsünden, denen je eine Strophe
gewidmet ist, behandelt, die für eine allgemeine Kritik der gegenwärtigen Zeit unter
131 TeutscheArien1(ÖsterreichischeNationalbibliothek,Cod.12706),S.655f.
132 Vgl. dazu Deutsch, Wienerischer Tändelmarkt, S.35ff., der eine weitere Bearbeitung von Werners Stück
durch den Salzburger Geistlichen und späteren Abt des Stifts St. Peter, Alfred Nagnzaun, unter dem Titel
Wienerischer Tändlmarkt/Wiennerischer Tantlmarkt (1803) nennt, sowie Klier, Wiener Kaufrufe, S.57f.,
der fürdas19. Jahrhundertu.a.dasStückAllerley.EinLiederspiel desWienerKomponistenJosephWeigl
(1805)oderdieSammlungDerWienerRuf.DeutscheTänzevonWenzelPlachy(1824)anführt.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Title
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Subtitle
- Eine andere Literaturgeschichte
- Authors
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 652
- Keywords
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen