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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 318 LAND- UND STADTLEBEN 2 Häfenz'bünden,Pfannaz' icken; deckelaufd'Krüg, lasts sehn! IstaLochimEinbrenn-Pfännel? BrauchtderKrugaScharnier? IchbingarakünstlichsMännel, Menscherdrumkömtsnurz'mir; Setz ichhaltanFleckaufsLoch, NimmdarzuaSteffterlnoch Glei istsg'schehn Häfenz'bindenpp.131 1,3 enck Menschern] euch Mädchen Häfn] Topf zerkloben] zersprungen 1,4 Reinel] kleiner, acher Topf Schrick]Sprung1,5ös] ihr1,7umma]herum2,3Einbrenn-Pfännel]PfannefürMehlschwitze2,10pp](Abk. für lat. ‚ pergeperge`)usw. WeiteremusikalischeBearbeitungendesKaufruf-Themasausdem19.Jahrhundertzeu- genvonderBeliebtheitwievondermusikalischenKraftderKaufrufe.132 Sitten-undModelieder LiterarischfunktionalisierterDialektkennzeichnetvor1800oftBruchlinienineinerGe- sellschaft, deren Ordnungssysteme sich ausdifferenzierten, sodass traditionelle soziale RollenvorgabenihreSelbstverständlichkeitverloren.DerzunehmendeVerlusttranszen- denterIdentitätsgarantenunddieInfragestellungüberlieferterLebensentwürfe imZuge derAufklärungproblematisiertendieFragenachdemSelbstunddereigenenVerortung. Als (scheinbar) konservative, beharrende Sprachform des unmittelbaren Alltagslebens wurdeDialektgernezurMarkierungjenerEntwicklungeneingesetzt,dieherkömmliche Integrationsmuster aufbrachen und neue De nitionen von Identitäten denkbar mach- ten.DieIntentionkonntedabei freilichdurchausverschiedenseinundvonderbrüsken Ablehnung der Modernisierungstendenzen als sündhafter Ordo-Bruch bis hin zur sati- rischenAburteilungkonservativenDenkensreichen. Unübersehbar noch dem Orientierungssystem katholischer Morallehre verp ichtet istdas folgende,abderMittedes18. JahrhundertsweitverbreitetederbdrastischeSitten- lied Die sieben Todsünden, das den barocken Vanitas-Gedanken zur Sündhaftigkeit des Lebens koprolalisch überformt. Es beginnt mit einer so un ätigen wie witzigen Gleich- setzung des Lebens mit einem „ Baurnschaiߓ (gemeint ist hier die Flatulenz, nicht die Ausscheidung). In weiterer Folge werden die sieben Todsünden, denen je eine Strophe gewidmet ist, behandelt, die für eine allgemeine Kritik der gegenwärtigen Zeit unter 131 TeutscheArien1(ÖsterreichischeNationalbibliothek,Cod.12706),S.655f. 132 Vgl. dazu Deutsch, Wienerischer Tändelmarkt, S.35ff., der eine weitere Bearbeitung von Werners Stück durch den Salzburger Geistlichen und späteren Abt des Stifts St. Peter, Alfred Nagnzaun, unter dem Titel Wienerischer Tändlmarkt/Wiennerischer Tantlmarkt (1803) nennt, sowie Klier, Wiener Kaufrufe, S.57f., der fürdas19. Jahrhundertu.a.dasStückAllerley.EinLiederspiel desWienerKomponistenJosephWeigl (1805)oderdieSammlungDerWienerRuf.DeutscheTänzevonWenzelPlachy(1824)anführt.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Title
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Subtitle
Eine andere Literaturgeschichte
Authors
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
652
Keywords
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800