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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 350 FREMDES UND EIGENES 1 Was ndmandaninsteuer, Nichtsalshoheschöpff,undgrossekröpff, wanmanmeintsiehabmnurzwey, so istderdritt schonauchdarbey: hoheschöpff:undgrossekröpff: dSteuererhabmdieMerestenkröpff:25 1,1 steuer] Steiermark 1,2 schöpff] hohe, auftoupierte Frisuren (wohl eher dem Reim geschuldete Behaup- tung)1,6 Meresten]meisten Da kaum eine Reisebeschreibung auf despektierliche Anspielungen auf die (zumeist nichtautopsierten)Deformationenverzichtete,genügtederAnblickeinigerBetroffener, umauchHumeinseinenVorurteilenzubestätigen. TirolerSchützen,HändlerundUnterhaltungskünstler Wie stark Erwartungshaltungen die eigene Beobachtung beein ussen können, zeigt Stanzel an Humes Eindrücken aus Tirol, wo er bei der Weiterreise nach Trient ein ganz anderes Bild gewann: „ The Inhabitants are there as remarkably beautiful as the Stirians are ugly. An Air of Humanity, & Spirit & Health & Plenty is seen in every face.“ 26 Auch hier determinierte offensichtlich das Stereotyp den Blick. Denn im europäischen Diskurs des 18. Jahrhunderts waren die Vorstellungsklischees zu Tirol und seinen Ein- wohnernäußerstpositivbesetzt.VorallemgaltendieTirolerschondamalsalsPatrioten und Freiheitshelden, die im Bayerischen Rummel 1703 als aufrechte, treue und todes- mutige Untertanen im Gebirgskrieg die überlegenen Invasionstruppen des Kurfürsten MaximilianII.Emanuelzurückschlagenkonnten– einBild,dasnichtunwesentlichvon den aus Wien lancierten dialektalen Agitationsliedern (siehe Kap.2) mitgestaltet und verbreitetwurde. ImMittelpunktstanddabeiderSchütze,dessenTreffsicherheit,Wage- mut und Heimatliebe bei potentiellen Feinden gefürchtet waren. Durch das Landlibell von1511,dasdieLandständezuVerteidigungsleistungenverp ichtete,hatte ja jederTi- rolerWehrfähigedasRecht,eineWaffezutragen;aufzahlreichenSchießplätzenkonnten dieentsprechendenFertigkeitengeübtwerden. Wie man den Mythos des wehrhaften Alpenbewohners gezielt über ktionale – und damitauchunsterblichebzw.ewigloyale– Identi kations gurenerweiterteundverbrei- tete,wurdebereitsamLustigenMuster-PlatzderTyrolischenBauern (vgl.S.118)gezeigt. Ein weiterer Puzzlestein dieser Mythisierung war ein Propaganda ugblatt, das Crischtel Troyling / Uber 40. Jahr / und Anführer seiner Mit-Bauern in Tyrol zwischen Felsen im Laufschritt mit angelegter Flinte zeigt, seinen im Bild nicht sichtbaren Feinden martia- lisch-dialektaldrohend: 25 BayerischeStaatsbibliothek,Cod.germ.7340(StubenbergerGesängerbuch),Teil2,S.201. 26 Greig,TheLettersofDavidHume,S.131.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Title
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Subtitle
Eine andere Literaturgeschichte
Authors
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
652
Keywords
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800