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NACHHALTIGE UND SPORADISCHE VOLKSSTEREOTYPE 353
Juhe!TirolerwäxeSchüzn,
Mierwölln inserLändlbeschüzn.
schaut,derFränzoß
geätäf ins loß.
äTirolerBuefürchtnix.
NehmtäniedernurseinStuzn,
dieweärndieFränzöslensauberpuzn.
DößistäGschosß,
äfdLäitundRoß,
uxmueßallspurzlen,
aftderTäi siehollenkann.
Nehmtnuräniedermit sainBläysainMann,
UndspringsnurnitwiedHasengläidarvon.
spanntan! schlagtan!göbt fuir!
aftmäinaät istsgschöchnschon.
SoltädäsBläynitklöckn,
somiests insRoärgarStaändräinstöckn.
Nurpräff:piff,päff,piff,päff.
Wix,wäx,wäxwix.32
1 wäxe] tapfere 2 Mier] wir 6 änieder] ein jeder 9 äf dLäit] auf die Leute 11 aft] dann (im Sinn von: damit)
15 mäinaät] mein Eid (Beteuerungsformel) 16 klöckn] ausreichen 17 miests] müsst ihr Staän dräin] Steine
hinein
ExpliziteAnweisungenzurAufführunglassendaraufschließen,dassderKanonimStift
auchtatsächlichgesungenwurde.33
Doch nicht nur als Patriot und Schütze zählte der Tiroler zu den beliebtesten unter
allen Regionaltypen` des18. Jahrhunderts imbairisch-österreichischenRaum,auchdas
Stereotyp als Wanderhändler war im 17. und 18. Jahrhundert tief in der Bevölkerung
des deutschen Raums verankert.34 Die Illustrierung des Stadt-Land-Kontrasts und die
pittoreskeBinnenexotik,dieauchmiteinermehroderwenigerkonsequentumgesetzten
sprachlichenCharakterisierungeinhergehenkonnte,garantiertenauchinderUnterhal-
tungskultur den Erfolg dieser Figuren, die immer wieder in verschiedenen Kontexten
aufgegriffen wurde. Einer Tiroler Bauchladenkrämerin sind wir bereits in einer Wiener
Hanswurstburleske begegnet (vgl. Kap.4). Die ältesten Belege für die literarische Ty-
pisierung des Tiroler Wanderhändlertums beziehen sich auf die
Ölträger` konkreter
häu g: ZillertalerÖlträger`.Schonab1538 ndensieals typisierteFigureninhö schen
FestveranstaltungenVerwendung,etwabeidensogenannten Bauernhochzeiten`,wiesie
imBarockimhabsburgischenRaumbeliebtwaren(vgl.Kap.6); im16.und17.Jahrhun-
im Mozartjahr 1956. Innsbruck: Im Selbstverlag des Sprachwissenschaftlichen Seminars der Universität
Innsbruck 1956. (Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft, Sonderheft 3) S.49 59. Hupfauf/Erber,
Liedgeschichten,S.87 89.
32 Bibliothek und Musikarchiv Stift Stams, 7346 7348 (alte Sign. L VI 24). Abbildungen bei Senn, Mozar-
tiana,S.53f.undHupfauf/Erber,Liedgeschichten,S.89.
33 Sandra Hupfauf: Lieder der Freiheit`: politisch, symbolisch, kommerziell. In: Jahrbuch des österreichi-
schenVolksliedwerkes59(2010),S.243 257,hier248.
34 So tritt etwa auch in Goethes Jahrmarktsfest zu Plunderweilern ein Tiroler Wanderhändler mit seinem ty-
pischenWerberufauf.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Title
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Subtitle
- Eine andere Literaturgeschichte
- Authors
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 652
- Keywords
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen