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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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NACHHALTIGE UND SPORADISCHE VOLKSSTEREOTYPE 361 Liesel. (hat sich indessen mit der Toilette beschäftigt und sich angestrichen, läßt sich aber mit dem Gesichte nicht eher sehen, als jetzt, da sie den Hut, der auf den Tische lag, aufgesetzt hat.) Du Wastel! schaumiamalan! Wastel. Hahaha! jetzt siehstdu justaus,wieunserealteGrä n,wenns indieStadteini fahrt.52 dappisch]ungeschickt,plump Gefries]Gesicht (häu gabwertend) Der Unterschied zwischen den ‚ natürlichen`, grob-aufrichtigen Tirolern und der Wie- ner Gesellschaft, die im Zentrum des Stückes steht, schlägt sich auch deutlich in der Sprachenieder:WastelundseineFrausprechenstarkenDialekt,dieWienerverwenden Standardsprache. Die regiolektale Markierung der ‚ Tiroler` Repliken soll vor allem Di- rektheitundUngekünsteltheitsignalisieren.GleichzeitigaberdientderDialekt imStück auch durchaus traditionell der Markierung des sozialen Stands – wobei er auch abwer- tenden Charakter hat – sowie zur Komisierung der Figuren: So spricht etwa Jodel, ein Bediensteter von Joseph, der explizit als „ dumm“ (S.9) bezeichnet wird, Wiener Dia- lekt; ebenso der zwielichtige Wirt im Prater. Insgesamt wird im Stück mit der Figur des Tiroler Wastel das alte Motiv des Bauern in der Stadt (vgl. Kap.4) auf charakteristische Weiseumgeformt:EsgehtnunnichtumdieLächerlichmachungeinesweltfremdenTöl- pels; das Publikum soll vielmehr am Anderssein des Protagonisten, das die bewahrte natürliche Identität ausdrückt, „ die eigene Verformung durch konventionellen, groß- städtischen,vonderNaturisoliertenZwangkennen[lernen]“ 53.Die ‚ lustigeFigur`erlebt imTyrolerWastel ihrenAufstiegzueinerrespektablenBürgersperson,derenHauptauf- gabe nicht mehr (nur) darin besteht, Komik zu vermitteln, sondern Bodenständigkeit und Redlichkeit – Eigenschaften, die insbesondere mit dem ‚ Tirolerischen` in Verbin- dunggebrachtwerden.54 Lieder aus dem Stück, zumal die dialektalen, wurden schon bald nach der Urauf- führung über Flugschriften im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet und später auch – insbesondere Die Tyroler sand often so lustig so froh – in diverse Volkslied- sammlungen aufgenommen. Sie zeichnen ein simplizistisches, reduziertes Bild einer unschuldigenKreatürlichkeit ineinemidyllisiertenUmfeld: DieTyroler sandoftenso lustigso froh, Sie trinkenihrWeinelundtanzenaso Frühlegtmansichnieder Frühstehtmandannauf 52 Der Tyroler Wastel. Eine komische Oper in drei Aufzügen von Emanuel Schickaneder. Die Musik ist vom Herrn Haibel Mitglied des k. k. privil. Wiedner Theaters. Leipzig bei August Geers 1798. – Zur Quellen- lage siehe Andrea Brandner-Kapfer (Hg.): Der Tyroler Wastel. Eine komische Oper in drei Aufzügen von EmanuelSchikaneder.DieMusikistvomHerrnHaibelMitglieddesk.k.privil.WiednerTheaters.Leipzig bei August Geers 1798. Anmerkungen. Graz 2011, http://lithes.uni-graz.at/kasperls_erben/pdfs_erben/ doku_schikaneder_tyroler_wastel.pdf (letzterZugriff am14.05.2018). 53 Aust/Haida/Hein, Volksstück, S.105; vgl. ähnlich auch Ernst, Zwischen Lustigmacher und Spielmacher, S.258f. 54 Vgl.Sonnek,Schikaneder,S.227.DanebendienenauchdieFigurenMarianeundJodel– alsLiebespaarder Nebenhandlungaufder ‚ niedrigeren` Ebene– derDarstellungeinereinfachenLebensart.DiesesIdealwird also nicht ausschließlich, wie beim Tyroler Wastel und seiner Frau, anhand von ‚ von außen kommenden` Figurengezeichnet, sondernauchandezidiertWienerFiguren– vondeneneine„ Aurades ‚ Hier-bei-uns` aus[geht], indersichdasPublikumeingeschlossenfühlt“ (Aust/Haida/Hein,Volksstück,S.106).
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Title
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Subtitle
Eine andere Literaturgeschichte
Authors
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
652
Keywords
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Categories
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800