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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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GRENZGÄNGER DER SPRACHEN 393 gehört.121 Ähnlich stereotypisiert war dieangebliche Vorliebe von Kroaten und Ungarn für Tabak,122 der ihnen lotweise im Bart hinge. Auch die Erwiderungen auf die mo- dischen und sozialen Ansprüche der Wienerin rücken den Kroaten in ein ungünstiges Licht. Nur an wenigen Stellen dagegen werden ihm tatsächlich positive Eigenschaften zugestanden – und zwar insbesondere seine Redlichkeit und Treue, die der deutschen Unaufrichtigkeit gegenübergestellt werden. Parallel zu dieser Abwertung des ‚ Fremden` lassensichaberaufeinerzweitenEbeneauchironischeWendungengegendieWienerin feststellen, die sich vor allem auf die modischen Eitelkeiten und die hohen (sozialen) Ansprüche des Mädchens beziehen, das „ einzig“ nur daran denkt, sich „ recht vornehm einst zu paaren“ (10,5/6). Auch die letzte Strophe, in der sie freimütig zugibt, selbst im FalleeinerHeiratzwarsozutun,alswürdesiedenKroaten lieben, inWirklichkeitaber für andere zu „ brennen“ (12,7), lässt sich nicht nur als endgültige Festschreibung einer unüberwindlichen Differenz lesen, sondern stellt der Aufrichtigkeit des Mädchens ein schlechtesZeugnisaus. Eine weitaus positivere Rolle spielen Fremde dort, wo sie literarisch als Soldaten auf Seiten der österreichischen Armee kämpfend dargestellt werden und dazu dienen, als Patrioten und treue Bürger des Reichs die Loyalität aller Untertanen zum ruhmreichen HausHabsburgzubekräftigen.Alsbesondersunerschrockenundkampfbegieriggalten dieKroaten,wieschoninKapitel2amBeispielvonCurioserCrabatischerDiscurs(1717) gezeigtwurde,woeinkroatischerSoldat seinemKameradenJurcoeinenAugenzeugen- bericht zur Schlacht von Belgrad gibt (vgl. S.111). Dezidiert hervorgehoben wird die KompromisslosigkeitdereigenenTruppen:„ [...]wärlähäbnmirkeinPerdon/Müsten springäüberKlingä/Janischärenalli samb/“ 123.UndauchdieLoyalitätzumHerrscher- hauswirdstolzbetont: SeynwirnieCorutzengwesen/seynwirallzeit treuverblieben/ WirdkeinMenschvonunswas lesen/wirdäsolchsvonunsniegschrieben.124 1 Corutzen]antihabsburgischeAufständler imKönigreichUngarn Vor diesem Stereotyp des unerschrockenen wilden Kämpfers muss natürlich eine an- dere Spielart dieser beliebten Figur umso lächerlicher wirken. Sie ndet sich im Lied vom ‚ armen Kroatl`, das bereits 1737 in der Burleske Die Zauber Trommel am Wiener Kärntnertortheater zum Einsatz kam.125 Die vierstrophige Fassung, die Hanswurst als 121 Vgl.u.a.KroatinnmitZwiebel.Croate,quivenddesoignons.In:ZeichnungennachdemgemeinenVolke besonders Der Kaufruf in Wien. Etudes prises dans le bas peuple et principalement Les Cris de Vienne. 1775.NachdemLebengezeichnetvonJ[ohann]BrandProfessorderbildendenKünste [o.S.]. 122 So etwa auch in Karl Marinellis Der Ungar in Wien (Der Ungar in Wien. Ein Originallustspiel in drey Aufzügen. Von Marinelli dem ältern, einem deutschen Schauspieler. WIEN, gedruckt mit Schulzischen Schriften.1773,S.3f.). 123 Curioser Crabatischer Discurs, Str.3, 2– 3. – Die Janitscharen waren eine Elitetruppe der osmanischen Infanterie. 124 Ebda.,S.2r. 125 ÖsterreichischeNationalbibliothek,12706(TeutscheArienI),S.15ff.,hier22f.– EditionbeiPirker,Teut- scheArienI,S.11.– ErhaltenistwieüblichnichtderTextdesganzenStücks,sondernnurdieArien.Darin tritt jeweils Hanswurst in verschiedenen Verkleidungen – als steirischer Bauer, schwäbischer Schnecken- händler,Husar,Pole,Kroate,Schusteretc.– auf,wobeidieseTypenauchjeweilssprachlichcharakterisiert
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Title
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Subtitle
Eine andere Literaturgeschichte
Authors
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
652
Keywords
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800