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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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Page - 396 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte

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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 396 FREMDES UND EIGENES Versmaß auf. Damit wird nicht nur in der inhaltlichen, sondern stärker noch in der sprachlichenGestaltung derFigurdas Spielerischeund Humorvolleunterstrichen– ein wohlnichtunwesentlicherFaktor für ihreBeliebtheit. Obwohl die Heubauern-Figur in verschiedenen Darstellungen mit einem bestimm- ten Sänger in Verbindung gebracht wurde,134 lässt sie sich wohl kaum auf einen Autor zurückführen, zumal sie aufgrund des Erfolges auch rasch von anderen Sängern auf- gegriffen wurde. Dies macht etwa das 1797 gedruckte Lied Recht nothwendigi Zuwaag' deutlich: Denn mit diesem Druck antwortet ein zweiter Dichter auf eine – leider nicht erhaltene – Streitschrift des Schöpfers der Heubauern gur, der offenbar den Epigonen angriff und ihm u.a. vorwarf, kein echter Ungar zu sein.135 Der explizite Bezug auf einen‚ echtenHeubauern` sprichtfürdiePopularitätderFigur,dieschnellzueinerfesten Größe geworden zu sein scheint und zur Nachahmung animierte. Das Lied macht mit seinem Untertitel Noch di G'wicht von seini agni Numero außerdem deutlich, dass nicht nurdieFigur, sondernauchdieMelodie festetabliertwar. InspäterenFlugschriften,die eherReklame-Charakterhaben,136aberauchimTheaterwurdedieFigurschließlichdas ganze19. Jahrhundertüberaufgegriffen.137 Im folgenden Liedausschnitt besingt der Heubauer das Ende des Faschings, wobei, wie für diese Lieder typisch, der Auftrittskontext im Wirtshaus stark präsent ist. Als 134 Häu gwirdinZusammenhangmitderHeubauern-FigurderVolkssängerLajosKomlosyj/LudwigKom- lóssygenannt,deretwaauchimKatalogderÖsterreichischenNationalbibliothekals Interpretangegeben ist.DerNamewirdöfters inDarstellungenausdem19. Jahrhundertgenannt(vgl. insbesondereConstant von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich. Bd.12: Klácel – Korzistka. Wien: Verlagderk.k.Hof-undStaatsdruckerei1864,S.404.– MoritzBermann:Alt-undNeu-Wien.Geschichte der Kaiserstadt und ihrer Umgebungen. Wien, Pest, Leipzig: Hartleben 1880, S.1084). Ein aus Ungarn stammender Sänger dieses Namens soll etwa zwischen 1800 und 1820 in Wiener Gaststätten aufgetreten sein und dabei „ ungeheureres Aufsehen“ (Bermann) erregt haben und „ bald eine volksthümliche Figur“ (Wurzbach) geworden sein. Nähere biographische Angaben zum Sänger bleiben aber vage und scheinen mehr der literarischen Fantasie entsprungen als auf belegten Daten zu basieren. Sollten die bei Bermann ohne Quelle angegebenen Lebensdaten 1784– 1856 stimmen, kann Komlossy nicht als eigentlicher Urhe- berderHeubauern-Figurgelten,wäreerdochbeidenerstenDruckenvon1796erst12Jahrealtgewesen. Vgl.SeppGmasz:MundartzurHaydnzeit:historische, literarischeundmusikalischeQuellen.Mitbeson- dererBerücksichtigungdesburgenländischenRaumes.In:JahrbuchdesösterreichischenVolksliedwerkes 59(2010),S.202– 218,hier214f. 135 Recht nothwendigi Zuwaag' zu di Promemori von di Gewissi Mann der allan will rechti Heubauer seyn. Noch di G'wicht von seini agni Numero; Mit Anmerkungen von ani scheideri, als rechti und linki Heu- bauer is. Wien, 1797. Auf Kosten des vormahligen Buchdruckers Weimar, und in Kommission in der Rehm'schen Buchhandlung am Kohlmarkt. – Namen werden auch in diesem Druck nicht genannt, aller- dings wird der Schöpfer des Heubauern als „ gebohrne[r] Ungar“ , dessen Name aber „ kein ungarisches Geprägehat“ ,bezeichnet (ebd.,Bl.2v). 136 In einer größeren Anzahl an Flugschriften ab etwa 1808 tritt die Heubauern-Figur als gewissermaßen institutionalisierte Werbe gur auf, die für bestimmte Veranstaltungen, Gaststätten oder Theaterstücke wirbt.DiesprachlicheGestaltungwirdsehrviel schwächer,dieWiedergabedesAkzentsbzw.Dialektsbe- schränktsichaufeinigewenigefesteWendungenundFormen.(Vgl.etwa:NagelneuiLid,wasdiungrischi Heubauer von di neui Wiener-Apollo-Saal in Pesth sungen hat. Zum singen im Tone der gewöhnlich be- liebtenHeubauern-Arie.1808.– Heubauern-Liedüberdas lustigeFaschingsstückel,genannt:DerRochus Pumpernickel.1809. – Ganz besondri Naglneui Lid, was di bekannti ungrischi Heubauer von di unver- brennbari Spanier, Nicolaus Isidor Roger, seini mit großi Beyfall z'Wien beym Sperl gmachti Experiment vonderUnverbrennbarkeit, inPesthsungenhat.1809). 137 Vgl.dazudieHinweisebeiPerschy,„ Echter“ Heubauerund„ falscher“ Krowod,S.332.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Title
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Subtitle
Eine andere Literaturgeschichte
Authors
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
652
Keywords
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800