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396 FREMDES UND EIGENES
Versmaß auf. Damit wird nicht nur in der inhaltlichen, sondern stärker noch in der
sprachlichenGestaltung derFigurdas Spielerischeund Humorvolleunterstrichen ein
wohlnichtunwesentlicherFaktor für ihreBeliebtheit.
Obwohl die Heubauern-Figur in verschiedenen Darstellungen mit einem bestimm-
ten Sänger in Verbindung gebracht wurde,134 lässt sie sich wohl kaum auf einen Autor
zurückführen, zumal sie aufgrund des Erfolges auch rasch von anderen Sängern auf-
gegriffen wurde. Dies macht etwa das 1797 gedruckte Lied Recht nothwendigi Zuwaag'
deutlich: Denn mit diesem Druck antwortet ein zweiter Dichter auf eine leider nicht
erhaltene Streitschrift des Schöpfers der Heubauern gur, der offenbar den Epigonen
angriff und ihm u.a. vorwarf, kein echter Ungar zu sein.135 Der explizite Bezug auf
einen
echtenHeubauern` sprichtfürdiePopularitätderFigur,dieschnellzueinerfesten
Größe geworden zu sein scheint und zur Nachahmung animierte. Das Lied macht mit
seinem Untertitel Noch di G'wicht von seini agni Numero außerdem deutlich, dass nicht
nurdieFigur, sondernauchdieMelodie festetabliertwar. InspäterenFlugschriften,die
eherReklame-Charakterhaben,136aberauchimTheaterwurdedieFigurschließlichdas
ganze19. Jahrhundertüberaufgegriffen.137
Im folgenden Liedausschnitt besingt der Heubauer das Ende des Faschings, wobei,
wie für diese Lieder typisch, der Auftrittskontext im Wirtshaus stark präsent ist. Als
134 Häu gwirdinZusammenhangmitderHeubauern-FigurderVolkssängerLajosKomlosyj/LudwigKom-
lóssygenannt,deretwaauchimKatalogderÖsterreichischenNationalbibliothekals Interpretangegeben
ist.DerNamewirdöfters inDarstellungenausdem19. Jahrhundertgenannt(vgl. insbesondereConstant
von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich. Bd.12: Klácel Korzistka. Wien:
Verlagderk.k.Hof-undStaatsdruckerei1864,S.404. MoritzBermann:Alt-undNeu-Wien.Geschichte
der Kaiserstadt und ihrer Umgebungen. Wien, Pest, Leipzig: Hartleben 1880, S.1084). Ein aus Ungarn
stammender Sänger dieses Namens soll etwa zwischen 1800 und 1820 in Wiener Gaststätten aufgetreten
sein und dabei
ungeheureres Aufsehen (Bermann) erregt haben und bald eine volksthümliche Figur
(Wurzbach) geworden sein. Nähere biographische Angaben zum Sänger bleiben aber vage und scheinen
mehr der literarischen Fantasie entsprungen als auf belegten Daten zu basieren. Sollten die bei Bermann
ohne Quelle angegebenen Lebensdaten 1784 1856 stimmen, kann Komlossy nicht als eigentlicher Urhe-
berderHeubauern-Figurgelten,wäreerdochbeidenerstenDruckenvon1796erst12Jahrealtgewesen.
Vgl.SeppGmasz:MundartzurHaydnzeit:historische, literarischeundmusikalischeQuellen.Mitbeson-
dererBerücksichtigungdesburgenländischenRaumes.In:JahrbuchdesösterreichischenVolksliedwerkes
59(2010),S.202 218,hier214f.
135 Recht nothwendigi Zuwaag' zu di Promemori von di Gewissi Mann der allan will rechti Heubauer seyn.
Noch di G'wicht von seini agni Numero; Mit Anmerkungen von ani scheideri, als rechti und linki Heu-
bauer is. Wien, 1797. Auf Kosten des vormahligen Buchdruckers Weimar, und in Kommission in der
Rehm'schen Buchhandlung am Kohlmarkt. Namen werden auch in diesem Druck nicht genannt, aller-
dings wird der Schöpfer des Heubauern als gebohrne[r] Ungar , dessen Name aber kein ungarisches
Geprägehat ,bezeichnet (ebd.,Bl.2v).
136 In einer größeren Anzahl an Flugschriften ab etwa 1808 tritt die Heubauern-Figur als gewissermaßen
institutionalisierte Werbe gur auf, die für bestimmte Veranstaltungen, Gaststätten oder Theaterstücke
wirbt.DiesprachlicheGestaltungwirdsehrviel schwächer,dieWiedergabedesAkzentsbzw.Dialektsbe-
schränktsichaufeinigewenigefesteWendungenundFormen.(Vgl.etwa:NagelneuiLid,wasdiungrischi
Heubauer von di neui Wiener-Apollo-Saal in Pesth sungen hat. Zum singen im Tone der gewöhnlich be-
liebtenHeubauern-Arie.1808. Heubauern-Liedüberdas lustigeFaschingsstückel,genannt:DerRochus
Pumpernickel.1809. Ganz besondri Naglneui Lid, was di bekannti ungrischi Heubauer von di unver-
brennbari Spanier, Nicolaus Isidor Roger, seini mit großi Beyfall z'Wien beym Sperl gmachti Experiment
vonderUnverbrennbarkeit, inPesthsungenhat.1809).
137 Vgl.dazudieHinweisebeiPerschy, Echter Heubauerund falscher Krowod,S.332.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Title
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Subtitle
- Eine andere Literaturgeschichte
- Authors
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 652
- Keywords
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen