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FENSTERLN, GASSLGEHEN, WERBEN IN LIED UND SCHAUSPIEL 519
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MeinDirndl ißschwanga,das isengaFreud
hab'ng'sagt ikannixundjetzt lobenmid'Leut.
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Zimpimperl,Zimpimperlwirdd'Hochzeitbaldwern,
Wie freut siemeinPumperldaßnarrischmöchtwern.86
Fensterln,Gasslgehen,WerbeninLiedundSchauspiel
Die Vorfreude auf ein gemeinsames Kind oder auch nur auf ein gemeinsames eheliches
(Liebes-)Leben, wie sie in den letzten beiden Vierzeilern anklingt, war im ländlichen
Bereich, dem Ursprungs- und Traditionsgebiet der Gstanzl und Schnaderhüpfel, keine
Selbstverständlichkeit für jedermann/frau. Gerade im alpinen Raum waren nicht-ehe-
liche sexuelle Beziehungen (unter anderem, wenn auch nicht nur) zwischen Knechten
undMägdenrelativhäu g insbesondereindurchViehwirtschaftgeprägtenländlichen
Gebieten mit gesindereichen Höfen.87 Die sogenannten
Unbehausten`, also Hausge-
sinde,DienstbotenoderauchHandwerksgesellen,machtenetwainTirolum1766rund
ein Drittel der Bevölkerung aus, womit ein großer Teil der Bevölkerung von der Ehe
ausgeschlossenwar.ÜberdieHälftederMännerundFrauenzwischen20und40waren
inÖsterreichim18.Jahrhundert ledig;sehrvielebliebenüberhauptunverheiratet.88Die
relativ große Häu gkeit vor- bzw. nicht-ehelicher Sexualität lässt sich (mangels anderer
Quellen) an der Zahl der unehelich geborenen Kinder dokumentieren,89 die bereits im
17.und18.Jahrhundert inmanchenGebietenbiszu10%betrugundabEndedes18.bis
Mitte des 19. Jahrhunderts in Bayern und Östereich besonders hoch war, mit ca.20% in
Bayern und Oberösterreich, 30% in Niederösterreich, Salzburg und der Steiermark und
bis zu 45% in Kärnten.90 Ohne Möglichkeit, zu heiraten, mussten die Liebschaften also
86 Wienbibliothek imRathaus,H. I.N.-55795,Teil2, f. 127r,130r.
87 Vgl. Michael Mitterauer: Familienformen und Illegitimität in ländlichen Gebieten Österreichs. In: Archiv
fürSozialgeschichte19(1979),S.123 188,hier180.
88 In der Steiermark ergab etwa die Konskription von 1754, dass 42% der Bevölkerung, in der Obersteier-
mark sogar 54% unverheiratet blieben (vgl. Birgit Leuchtenmüller-Bolognese: Bevölkerungspolitik zwi-
schenHumanität,RealismusundHärte. In:HerbertMatis (Hg.):VonderGlückseligkeitdesStaates.Staat,
Wirtschaft und Gesellschaft in Österreich im Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus. Berlin: Duncker &
Humblot1981,S.177 208,hier183f.).
89 Zwar lässt sich die Zahl der unehelich geborenen Kinder nicht in einen direkten Zusammenhang mit
vorehelicherSexualitätbringenundeineBerechnungvorehelicherSexualitätausIllegitimitätsratenistseri-
öserweisenichtmöglich. (Vgl.dazuauchPeterBecker:LebenundLiebenineinemkaltenLand.Sexualität
im Spannungsfeld von Ökonomie und Demographie das Beispiel St. Lambrecht 1600 1850. Frankfurt
a.M./New York: Campus 1990. (Studien zur historischen Sozialwissenschaft 15) S.220.) Man kann aber,
davon wird hier zumindest ausgegangen, immerhin aus den Illegitimitätsraten auf das Vorhandensein
von nicht-ehelicher Sexualität in größerem Ausmaß und mit Vorbehalt, da der Faktor der Empfängnis-
verhütung nicht unbedingt als konstant angenommen werden kann auch auf ein mehr` oder
weniger`
schließen.
90 Vgl. Mitterauer, Familienformen und Illegitimität, S.180 und 123f. Hintergrund war eine neuerliche
VerschärfungderHeiratsbestimmungenim19. Jahrhundert,einhergehendmiteinerMilderungderSank-
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Title
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Subtitle
- Eine andere Literaturgeschichte
- Authors
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 652
- Keywords
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen