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FENSTERLN, GASSLGEHEN, WERBEN IN LIED UND SCHAUSPIEL 531
Bartel. wie wirds dir aber gehen, der mir d'junge bäumer unten abgeschelt, daß sie haben aus-
dörrenmüsßen?warsnichtdu?he!
Jockerl. wer war der, der der herrschafft d'forellen ausm bach g'stohlen, und hernach dieselbe
inderstadtverkaufft,warsnichtdu?he!
Bartel. wer war der, der mir alle bougerdin piren g'stohlen, und hernach in der stadt verkaufft.
warsnichtdu?he!
Jockerl. hatnitdeinbuimeinenpferdendieschweifausgeraufftundhutschnürdarausgemacht?
he!
Bartel. hat nit dein weib kalck in teich g'worffen, daß der grosße hecht hat müsßen abstehen?
he!
Jockerl. hastmirvill vorzustesßen.
Bartel. haltsmaul, sonstnieth ichdich.116
wans grath] wenn es gelingt ä wengerl] ein wenig getribilirt] zugesetzt, in Bedrängnis gebracht goschen]
Maul hiexen] (wohl fälschlich für) häxen`: Beine bougerdin piren] besondere Birnensorte bui] (unverheira-
teter)Knecht nieth]verprügle
Je weiter sich das Spiel im Verlauf der Handlung von der weitaus umfangreicheren Vor-
lage entfernt, desto stärker emanzipiert sich auch die sprachliche Überarbeitung von
der schlesischen Vorlage, von der gleichwohl Bruchstücke erhalten bleiben. Interessan-
terweise übernimmt der Bearbeiter von Gryphius auch die sprachliche Isolierung der
Dornrose, die hier wie dort ganz gegen das Rollenpro l in einem gestelzten Hoch-
deutschsprichtundselbst insohochemotionalenMomentenwieNötigungundRettung
nichtganzaufdas herrischreden 117 vergisst:
Hiesel. glückzumeinschaz,wiestehts?
Urschel. esgehetmirärger, alßzuerdenckhen.
Hiesel. au wehe wie traurig, weil ihr den görgel nichtkriegen kunt. i bin sogut alß er, und wohl
noanderthalbcentnerbesßer.
Urschel. daskanseyn:gottbehüteüch.will gehen.
Hiesel. nei, nei, wir müsßen mit einander was reden, ihr habt mi lang gnui bey der nasen her-
umg'führt,nug'schwindd'brazenher.aufd'zusag.
Urschel. ichbinnichtvoreüch,undihrnichtvormichgebohren,drumsucheteineandereaus,
dieeüwerbesßerwürdig.
Hiesel. ihr bildet eüch groili vill ein: ich geh nit vom eck, bis ir mi nit nembt, i weis daß mein
zaplndesherzaussiht,wieäwelckerrättig: ikanminimmerzumnarrenhaltenmüsßen.
Urschel. gehtvonhier,wohin irgehört.
Hiesel. gibd'brazenher, sonst
Urschel. was?mitmir,he!nachbahr, freund,vatter,helffts, rettets.
Hiesel. haltd'goschen, sunstwirdsnitgutwerdenmitunszwey.dustelstdinursobös,duwirst
wolwiedergutwerden.
SechsterAuftrit.
Iörgel.Urschel.Hiesel.
Görgel. duleichtfertiger, redlichkeitvergesßener, treüloser landlaufferischerschelmunddieb.
Urschel. nurzu,errettetmichvondisemgalgenvogel.
Hiesel. dulugner,dukirchdieb,wartnur, ichwilldi schonnoniäten.
Görgel. gehenur, iwilldi schonverklagen,duschelm,duhießlicherhiesel.
116 ÖsterreichischeNationalbibliothek,Cod.13193, f. 106r v.
117 Ebda., f. 108r.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Title
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Subtitle
- Eine andere Literaturgeschichte
- Authors
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 652
- Keywords
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen