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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 574 FEHDEN UND FEINDSCHAFTEN Ausnahme,auchwenndavonauszugehenist,dassgeradeauchinreligiösenZentrendie breite sprachliche Palette zwischen Basisidiom und ostmitteldeutscher Standardsprache anbestimmtenStelleneffektvoll zumEinsatzkam. Der Dialekt in Pochlins Spottschrift ist demnach als bewusst eingesetztes ästheti- sches Mittel zu verstehen, als eine dem Typus Fleischhacker zugeordnete, diesen aus- zeichnendeundstilisierendeSprechweise,diedieVerspottungdergelehrtenHerrenaus Wien auf die Spitze treibt, wenn ihnen ein einfacher, der Standardsprache nicht mäch- tiger Dörfler ihr Unverständnis vor Augen hält und die Leviten liest.72 Das Werk, für das– ganzdemZeitgeistentsprechend– dieBriefformgewähltwurde,beginntmitzwei dialektalen Zuschriften, eine an den Buchdrucker des eigenen Texts mit der Bitte um sorgfältigeErledigungderDrucklegung,dieandereanjenendesAnstoßgebendenTexts mit der Bitte, den Verantwortlichen die nunmehr vorliegende Entgegnung bekannt zu machen: sohabiglaubt,weil södowissenmüssn,wo'swohnen,damit sö 'sAuszüglhintragnkönna, i that an besten, wann i sö bittat, daß sö's den Hernern, dö niembst kenna soll, sagtn, sö könten hietzt meinManungdrukter lesn,weil 's ihnameineGedanknnitasohabnwollneindrucknlassn,und daß 's ihna sagten, weil i in Pader Puchlin sain Gnadnbrief g'lesen hab, daß 's lauter arme Narn inderG'selschaft sayn73 do] doch Auszügl] kleine Schrift, eig. Auszug aus dem Rechnungsbuch eines Handwerkers Hernern] Herren niembst]niemand hietzt] jetzt drukter]gedruckt aso]verstärktes ‚ so`, genauso Danacherst folgtderandieHerausgeberderWöchentlichenWahrheitengerichteteText- teil, eine spöttische Erwiderung auf das „ dumi Zeigs“ 74 und die Kritikerschelte, die bis zur Drohung geht: Die Wiener sollten das nächste Mal doch lieber in der Stadt bleiben, denn„ wansnomalkuma,sokönasd'Polizeyamitnema,sonstmöcht ihnaderLandluft, der ihna, wie's sagen, lieber als Predi gwesn ist, Kreuzweh machen, dan es möcht just einscharferLuftgehn.“ 75 DasVerhaltenderangesprochenen„ Herner“ wirdmitdensel- ben Argumenten kritisiert, wie sie auch andere konservative und aufklärungskritische Verteidiger der angegriffenen Geistlichkeit, wie M. Wild oder Patricius Fast, in ihren Gegendarstellungenverwendeten.Dasssie ihreNamennichtpreisgeben,machesiever- dächtig;mitdenVerunglimpfungensuchemannurdenökonomischenErfolg;vorallem aber sei die rezensierte Predigt falsch dargestellt, teils aufgrund mangelnder Gedächt- nisleistung („ weils ihna aus der Predi niks merken habn könna“ ), teils durch bewusste 72 Dass der Dialektgebrauch auf bestimmte Schichten beschränkt sei, soll hier allerdings nicht impliziert werden – jedoch wäre in diesem Fall eine schriftsprachliche Gestaltung konventionsgemäß, wodurch die Unkenntnis des angemessenen Sprachgebrauchs bzw. das Unvermögen, diesen anzuwenden, die Stilisie- rung erlaubt. Eine detaillierte Analyse des Dialektgebrauchs in Pochlins Schrift gibt Freitag, Geputztes Blumwerk,S.95– 170. 73 [JosephPochlin]:GuetdunkndesFleischhakermasterz'Vösendorfüberd'hoglertiG'selschaftderPrediger- kridi z'Wien, di si naili übern Pader Puchlin herg'macht hat, mit ainer Zuschrift an Buchdruker Schmid und ain klain Schreib'n an gnädig'n Herrn Buchdruker bein Karnertor. Selbst aussagebn, g'offenbart und ins Licht g'setzt von Bartlme Uhatzi, Fleischhakermaster z'Vösendorf. Wien: Mathias Andreas Schmidt 1782,S.8f. 74 Ebda.,S.12. 75 Ebda.,S.14.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Title
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Subtitle
Eine andere Literaturgeschichte
Authors
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
652
Keywords
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Categories
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800