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Vor 1918
Die nordöstliche Steiermark - Eine Wanderung durch vergessene Lande
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— 350 — von P. Philipp Stögerer gegründeten und seither so segens- reich geleiteten, grossartig organisirten Wohlthätigkeits-Insti- tutes, welches heute, Dank den rastlosen Bemühungen seines edlen Gründers nicht weniger wie 100 arme Waisenknaben, circa 60 Volks-- und Bürgerschülern, 40 Mittelschulstudenten und 12 Lehrjungen, theils ganz unentgeltlich, theils gegen geringes Entgelt Verpflegung und Heimstätte und dabei, unter steter Rücksichtnahme auf eine gesunde körperliche Entwicklung der Knaben, denselben auch eine sittlich religiöse, von jeder Bigotterie jedoch vollkommen freie Erziehung gewährt.*) Die Geschichte der alten Herrschaft und jetzt verschwun-denen Veste Ober-Kirchberg a. d. Raab ist folgende: Das älteste befestigte Schloss war der Stammsitz der Edlen und Ritter von Kirchberg; sie erscheinen als solche 1240, Ulrich v. Kirchberg ist 1245 Erzdiakon in Oesterreich und Hofkanzler in Steiermark, am 2. November 1345 war ein Ortolph v. Kirchberg Beisitzer auf der Gerichtsversammlung zu Kraubat, etc. 1500 erscheint ein Bernhard Kirchberger Priester und Chorherr zu Seckau. Oh sie alle selben Stammes waren, ist jedoch unsicher. Als spätere Besitzer erscheinen die Zöbinger, deren Stammsitz zu Burgstall bei Zöbing war, dann die Ritter v. Steinpeiss, deren Stammsitz der Steinpeisshof in Diirrenthal bei Preding gewesen sein mag. Ende Mai 1605 brach ein Freibeuterhaufen von Türken und Ivuruzzen verheerend in das Raabthal und überfiel auch Kirchberg und zerstörte es. Bald erhob es sich jedoch wieder aus seinen Trümmern. Ueber die Erwerbung Kirchbergs durch General Graf Heister berichtet die Sage, dass als er einst auf seinen vielen Heerfahrten im Schlosse zu Kirchberg übernachtet, ihm im Traume sein junges Weib erschienen und ihm zugerufen hätte: „Hier möchte ich wohnen." Heister erfüllte ihren Wunsch und kaufte das Schloss, welches er mit billigen Arbeitskräften — gefangenen Türken — 1698 ganz neu aufbaute und mit einem prächtigen Park und 15 Teichen als Schutzwehr umgab. Dennoch soll bei dem grossen Kuruzzeneinfali von 1704 das Schloss verheert worden und namentlich die beiden Seitenflügel mit allen Urkunden abgebrannt sein. Die Bewohner des Dorfes flüchteten in einen uuterirdischen Gang, der von der Kirche zum Schlosse führte, kamen aber darin elendig zu Grunde, und als später im Pfarrhofe die Wirthschaftsgebäude gebaut wurden, stiess man wieder auf diesen Gang, der ganz mit menschlichen Skeletten angefüllt war. Graf Heister baute jedoch das halbzer-störte Schloss wieder auf. Er starb als Letzter seines Stammes am 22. Februar 1718 und hinterliess die Herrschaft Kirchberg seiner *) Der Pachtzins wurde Tom Fürsten Alfred Liechtenstein sehr ermässigt.
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Die nordöstliche Steiermark Eine Wanderung durch vergessene Lande
Title
Die nordöstliche Steiermark
Subtitle
Eine Wanderung durch vergessene Lande
Author
Ferdinand Krauss
Publisher
-
Location
Graz
Date
1888
Language
German
License
PD
Size
10.93 x 17.9 cm
Pages
498
Categories
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