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Repräsentation und Reproduktion 49
Karlskirche und Hofkanzleien
Die Grundsteinlegung zur 1713 von Karl VI. gelobten Pestvotivkirche erfolgte am
4. Februar 1716.46 Damals gab es aber noch keinen endgültigen Fassadenentwurf,
denn dieser erschien erst auf der nachträglich von Daniel Warou angefertigten
Grundsteinlegungsmedaille, die in einer goldenen, einer silbernen und einer bron-
zenen Version je nach dem Rang des Empfängers geprägt wurde.47 Der Entwurf
dazu stammt vom kaiserlichen Numismatiker Carl Gustav Heraeus, weshalb eine
Reproduktion davon 1721 auch in dessen Publikation seiner Medaillen und Kon-
zepte aufgenommen wurde.48 Im selben Jahr wurde eine emblematisch-schematische
Paraphrase darauf in einer Huldigungsschrift der Universität Wien für Karl VI. ver-
öffentlicht und seitens dieser Institution wurde 1728 auch eine Beschreibung der
Medaille mit Abbildung in einer Festschrift über die Medaillen Karls VI. gedruckt.49
Fischer hat die Grundsteinlegungsmedaille in seinen 1721 veröffentlichten Fassa-
denstich integriert, um seine an der Antike orientierte Bautätigkeit zu legitimieren
bzw. seine von den Medaillen abgeleitete Antikenrekonstruktion zu demonstrieren.50
In seinem Architekturwerk war die Karlskirche natürlich auch mit Grundriss und
Schnitten vertreten.51 Die 1724 veröffentlichte Fassadenansicht von Salomon Kleiner
übernahm den Planungsstand von Fischers Stich und variierte nur die Staffagefiguren
vor der Kirche.52 Bisher unbeachtet blieb hingegen eine Variante des Kleinerschen
Stiches, welche in die 1727 gedruckte Pest=Beschreibung und Infections=Ordnung auf-
genommen wurde (Abb. 6). Dort wurden die Seuche und die medizinischen Maß-
nahmen dagegen beschrieben, aber auch der Wortlaut des kaiserlichen Gelübdes so-
wie der Grundsteinlegungsmedaille veröffentlicht.53
Mit dem in Paris geschulten Schweden Carl Gustav Heraeus war jedoch nicht
nur die Histoire métallique nach französischem Vorbild in Wien eingeführt, sondern
auch die Idee der 1663 von Jean-Baptiste Colbert gegründeten Académie royale des
Inscriptions et Médailles, d. h. die Funktion von Gelehrten, die die für die öffentlichen
Bauten und Medaillen nötigen Inschriften verfassten und darüber auch publizierten.
Nachdem Heraeus schon 1712 die Texte zu Fischers Entwurff verfasst hatte, wollte
er 1715 eine Sammlung seiner Inschriften und Gedichte unter dem Titel Vermischte
Neben=Arbeiten veröffentlichen. Er publizierte diese jedoch erst 1716 gemeinsam mit
dem von ihm verfassten Programm der Festdekorationen zur Geburt des Erzherzog
Leopold Bedeutungen und Innschriften Einiger Wienerischen redenden Beleuchtungen
Bey Welt-erwünschter Geburt Durchlauchtigsten Ertz-Hertzogs Leopoldi etc. Als Heraeus
1721 eine erweiterte Auflage dieser Texte publizierte, wurden in diesem Buch nicht
nur die beiden Grundsteinlegungsmedaillen zur Karlskirche und das Trauergerüst
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918