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54 Sektion I: Themen und Medien der Repräsentation
Begründers der österreichischen Numismatik treten wollten. Mit der 1729 veröffent-
lichten Jahresschrift von Ignaz Greiner über die im Bau befindliche Hofbibliothek
meldeten sie ihren wissenschaftlichen Anspruch auf das ebenfalls von einem weltli-
chen Gelehrten geleitete kaiserliche Bibliothekswesen an. Dieser Publikation war der
schon genannte Kupferstich der Bibliotheksfassade (Abb. 7) beigebunden.63 Schon
1726 und gleichfalls 1729 waren Ansichten der im Bau befindlichen Hofbibliothek
auf Kupferstichen nach einer kaiserlichen Schießscheibe bzw. im Rahmen eines Hof-
kalenders publiziert worden.64
Im Jahr 1732 erschien anlässlich der Einweihung der Josefssäule die Universitäts-
schrift von Anton Höller über die drei religiösen Denkmäler in Wien Monumenta
Religionis Augustae.65 Nach einer ausführlichen Geschichte der Mariensäule wird die
Pestsäule in Wort und Bild vorgestellt, wobei eine Auflistung der Baukosten eine Ge-
samtsumme von 66.000 Gulden nennt. Beim Vermählungsbrunnen wird die Vorge-
schichte referiert und dann die 1728 von Joseph Emanuel Fischer von Erlach entwor-
fene und von Antonio Corradini ausgeführte Version präsentiert (Abb. 8). Auch bei
den Grundsteinlegungs- oder Erinnerungsmedaillen scheint es zwei Varianten mit un-
terschiedlichen Inschriften zu geben; ein vielleicht von Heinrich Fuchs stammendes
und dem Stich folgendes Exemplar und eine mit der Inschrift „VOTA SOLVTA“.66
Mit dem im Dezember 1735 angekündigten und 1737 gedruckten ersten Band der
unvollendeten Stichserie von Salomon Kleiner zur Hofbibliothek erreichte die Bildpu-
blizistik der kaiserlichen Bautätigkeit schließlich ihren Höhepunkt. Die erste Lieferung
umfasste 18 Kupferstiche; nicht nur Fassadenansichten, Grund- und Aufrisse der Ar-
chitektur, sondern auch Reproduktionen der Fresken von Daniel Gran mit einem Text
zu deren Erklärung (Abb. 9).67 In Qualität und Quantität ist diese wegen der hohen
Kosten nicht fortgesetzte Publikation wohl nur mit der 1723 begonnenen, aber erst
1753 veröffentlichten Stichserie von Jean Baptiste Massé nach den Fresken Charles
Lebruns in der Spiegelgalerie von Versailles vergleichbar. Ob dies allerdings nur ein
historischer Zufall oder politische Absicht war, lässt sich wohl nicht mehr feststellen.
Aedificia a Carolo VI. per Orbem Austriacum Publico Bono Posita
Die politische Stoßrichtung der Wiener Architekturpublizistik dieser Jahre wird vor
allem aus zwei offensichtlich miteinander konkurrierenden Unternehmungen der
frühen 1730er-Jahre deutlich. Als vorläufiger Abschluss und Höhepunkt der jesuiti-
schen Huldigung auf die kaiserliche Bautätigkeit erschien 1733 die Publikation der
Rhetorikklasse unter dem Titel Augusta Carolinae Virtutis Monumenta von Anton
Höller oder Franz Keller. Die Bauten des Herrschers werden dabei ausführlich als
Zeichen kaiserlicher Tugendhaftigkeit, geordnet nach ihrer Funktion, beschrieben
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918