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Vor 1918
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
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108 Sektion I: Themen und Medien der Repräsentation Die Zeitungen berichteten, dass das Lied immer wieder auch in Kirchen, wäh- rend einer Messfeier oder unmittelbar im Anschluss daran, erklungen ist, gerne in Verbindung mit dem Te Deum. Auf dem Land sowie in Städten an der Peripherie des Kaiserreichs ersetzte der Messgesang die Aufführung im Theater, oft begleitet von einem dekorierten Kaiserbildnis. Beispielhaft sei eine Siegesfeier in der Pfarrkirche von Brody (Galizien) genannt, von der in der Lemberger Zeitung Folgendes berichtet wird: „Am gestrigen Tage wurde dem Allmächtigen für den glorreichen Sieg […] ein feierliches Dankopfer gebracht. Nachdem sich sämmtliche k. k. Behörden, der Magistrat, der Handelsstand, die Bürgerschaft mit ihren Fahnen, und die Schulen in die Pfarrkirche begeben, in welcher das Bildnis Sr. Majestät unseres allergnädigsten Landesvaters auf eine anvassende [sic!] Art schön dekoriert auf- gestellt war, so wurde daselbst bey einer von Dilettanten eingeleiteten, mit vie- ler Präzision vorgetragenen Vokal- und Instrumental=Musik das Hochamt und eine der Feier dieses Tages angemessene Predigt gehalten, das Tedeum so wie das Lied: ‚Gott erhalte Franz den Kaiser‘, von allen Anwesenden abgesungen, und auf solche Art dieses feierliche Dankopfer beschlossen.“47 Diese Verquickung von Politischem mit Religiösem wurde schon früh institutiona- lisiert. Bereits drei Tage nach Kaiser Franzens Geburtstag – am 15. Februar 1797 – fand im Stephansdom eine organisierte Massenhochzeit statt. Vierundzwanzig minderbemittelte Bürgertöchter wurden auf Kosten eines britischen Grafen einge- kleidet, mit Aussteuer und 500 Gulden ausgestattet und unter dem Beistand von Regierungsmitgliedern und Gräfinnen vor den Altar geführt. Beim anschließenden gemeinsamen Mittagsmahl wurde nicht nur auf den edlen Spender, sondern auch auf das Wohl des Kaisers und des Vaterlands angestoßen. Dazu erklang das „neue Volkslied ‚Gott erhalte‘“ – wie es im Zeitungsbericht heißt –, „von der Regimentska- pelle angestimmt“.48 Dieses Ereignis dokumentiert, wie früh die Volkshymne bereits aus ihrer ursprünglichen Funktion heraustrat und unter veränderten Bedingungen nun tatsächlich Repräsentationsfunktion einnahm. Sie stand für den nicht anwe- senden Kaiser, der damit gleichsam ‚in den Raum‘ geholt wurde, und erfüllte damit eine ähnliche Funktion wie ein repräsentatives Porträt. Bemerkenswert ist dabei auch die Rolle des Militärs, eines zentralen politischen und gesellschaftlichen Pfeilers des Habsburgerreichs. Schon allein die Tatsache, dass eine Regimentskapelle das Lied anstimmte, gab der Musik einen offiziellen Charakter.
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Title
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Subtitle
1618–1918
Editor
Werner Telesko
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
448
Categories
Geschichte Vor 1918
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