Page - 131 - in Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
Image of the Page - 131 -
Text of the Page - 131 -
Selbstdarstellung und höfische Repräsentation 131
„Siccome si legge in Igino e in Ovidio che una delle Esperidi per nome Elettra
fu moglie di Dardano, da’ di cui discendenti riconosce l’Etruria i suoi primi Re
e di cui una delle più antiche città di essa vanta i natali, ho riunito questi due
tratti d’Istoria per il soggetto del presente Dramma, lusingandomi che vi possa
trasparire una felice allusione a due figli augusti che sono adesso il soggetto de’
pubblici voti e che almeno per questa ragione riuscir potesse un giocondo spet-
tacolo all’immortal genitrice che fa la gloria dell’età nostra e farà la meraviglia e
l’invidia de’secoli avvenire.“26
Obwohl sich die verschiedenen Formen der hier besprochenen Huldigungskomposi-
tionen in ihrem Umfang, ihrer formalen und dramatischen Anlage, ihrer Zweckbe-
stimmung sowie ihren Aufführungsbedingungen unterscheiden, können sie als poli-
tisch-allegorische Auftragswerke verstanden werden. Die antiken Vorbilder wurden
daher auf den Lobpreis der habsburgischen Dynastie abgestimmt, deren Ursprünge
man in der römischen Geschichte und in ihren Helden zu sehen glaubte. Ascanius
– Erzherzog Ferdinand Karl, Erzherzog Joseph oder Philipp V. – werden als Begrün-
der einer neuen Ära gefeiert. Die mythologisch-historische Überlieferung des Stoffs
wurde konkret auf die damaligen politischen Verhältnisse adaptiert. Dafür bezog man
Hauptfiguren aus den Libretti mit Personen aus dem realen Bereich der Hocharisto-
kratie, wie dem jeweiligen Auftraggeber, konkret aufeinander. Metastasio schuf mit
Alcide al bivio eine festa morale, worin das Huldigungsmotiv (Verherrlichung Josephs
II.) mit dem jungen Helden Herkules identifiziert wird und alle Tugenden eines Kai-
sers angesprochen werden. Der Huldigungscharakter solcher Texte steht in unmittel-
barem Zusammenhang mit dem Hof und Geschlecht der Habsburger: Der politische
Inhalt war die raison d’être eines Huldigungswerks. Es hatte den Zweck, die höfischen
Auftraggeber bzw. Widmungsträger zu verherrlichen: Selbstdarstellung und Propag-
anda, mittels Allegorie und Mythologie, hatten zum Ziel, Gehorsamkeit und Auto-
rität zu gewinnen sowie mit Glorie und Prunk zu beeindrucken und zu faszinieren.
Anmerkungen
1 Vgl. Adriana De Feo, Zur Rezeption des Ascanio-Sujets in der barocken Librettistik, in: Mozart-
Jahrbuch 2009/10 2012, 149−186.
2 Ascanius wird bei Livius, Ab urbe condita als Sohn des Aeneas und der Crëusa (I 3, 2–4) sowie als
Sohn des Aeneas und der Lavinia (I 1, 11; 3, 1–4) bezeichnet. In diesem Zusammenhang spricht Fe-
derico Lübker von der Existenz zweier Ascanius-Gestalten, vgl. Frederico Lübker, Lessico ragionato
dell’Antichità classica di Federico Lübker (Il lessico classico Zanichelli), Bologna 1993, 159.
3 Alle diese Aspekte ergeben sich schon aus den Skizzen Parinis zu Ascanio: „Sulla base di questi pen-
sieri si potrebbe basare una breve e semplice azione capace di affetti, di varietà e d’un genere di spetta-
colo campestre e gentile quale si desidera, e continuamente allusivo alla circostanza del matrimonio
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918