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Venga quel dì felice! 139
sie die Nachfolgefrage in den habsburgischen Ländern stets offen. Die Hoffnung
auf künftiges Erbe erweckte hauptsächlich die Absenz eines männlichen Erbfolgers
in der Kaiserfamilie. In der kurfürstlichen Familie in Dresden hingegen kamen in
den Jahren 1720 bis 1722 drei Söhne zur Welt. Der Dresdner Hof unternahm im
Sommer 1723 intensive diplomatische Anstrengungen, um die künftige dynastische
Verbindung zwischen den Habsburgern und den Wettinern zu sichern. Zu diesem
Zweck besuchte die Kurprinzessin Maria Josepha Anfang September die in Prag re-
sidierende Kaiserfamilie, um über eine eventuelle Eheschließung ihrer Söhne mit
habsburgischen Erzherzoginnen zu verhandeln. Der Kaiser lud jedoch kurz vor der
böhmischen Krönung den fünfzehnjährigen lothringischen Prinzen Franz Stephan an
seinen Hof ein. Nachdem der Kaiser ihn am 15. August 1723 in Prag zum Ritter vom
Goldenen Vlies ernannt hatte, spürten manche Diplomaten und Höflinge, dass eher
dieser junge Mann als ein Wettinischer Kurprinz der künftige kaiserliche Schwieger-
sohn werden sollte.
Ausgehend davon stellte der Historiker Andreas Gugler fest, dass die Re prä-
sentationsstrategie der Prager Krönungsfestlichkeiten im Jahre 1723 an diese
Machtambitionen der Kurfürsten von Sachsen und Bayern gerichtet war.5 Diese
These ist von der nachfolgenden kunsthistorischen und musikwissenschaftlichen
Forschung bestätigt worden: Das ideologische Programm der im Rahmen der Pra-
ger Krönungsfeierlichkeiten dargebotenen Kunstwerke wurde zu einem bedeutenden
Bestandteil der habsburgischen Strategie in einem – vorerst nur auf der emblemati-
schen Ebene eröffneten – dynastisch-politischen Spiel um das künftige Erbe. Zu den
Leitmotiven gehörten vor allem die Unteilbarkeit der böhmischen Länder sowie ihre
Zugehörigkeit zum habsburgischen Erzhaus, gerade auch in der weiblichen Erbfolge
– was die böhmischen Stände schon im Jahre 1720 mit der Annahme der ‚Pragmati-
schen Sanktion‘ akzeptiert hatten.6
Diese politischen Leitmotive spiegelten sich aussagekräftig im ersten hier zu be-
trachtenden Werk, der Festoper Costanza e Fortezza, die zwar in der Fachliteratur
meist unter der Bezeichnung ‚Krönungsoper‘ bekannt ist, tatsächlich aber zu den au-
gustinischen feste teatrali gehört.7 Am 28. August 1723 wurde mit ihrer Aufführung
der 32. Geburtstag von Kaiserin Elisabeth Christine begangen. Vertont wurde das
Libretto des damaligen kaiserlichen Hoflibrettisten Pietro Pariati von Johann Joseph
Fux. Die Aufführung fand unter freiem Himmel statt, in einem neben der Reithalle
der Prager Burg für diese Gelegenheit erbauten Amphitheater. Die Szenen dafür hatte
der kaiserliche Bühnenarchitekt Giuseppe Galli Bibiena entworfen.
In diesem Werk wird die Huldigung der Kaiserin und des Kaisers mit einer dra-
matischen Handlung verknüpft, die von der Geschichte über die Belagerung der
Stadt Rom durch die Etrusker in den Jahren 510 bis 508 v. Chr. ausgeht. Die Römer
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918