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Venga quel dì felice! 143
Lauten, die alle Auftritte der Hauptfigur Aurora begleiten. Dadurch wird ihr Mor-
genlicht von den anderen (Sonnen- und Sternenlicht) unterschieden. Diese anderen
Lichtquellen sind dagegen durch verschiedene instrumentale Figuren in den Violini
unisoni versinnbildlicht.
Ein paar Tage nach dieser Aufführung, am 5. und 8. September 1723, fanden
die Krönungen von Karl und Elisabeth Christine im Prager St. Veitsdom statt. Da-
nach beging man in Prag noch zwei ‚karolinische‘ Galatage mit Serenaten-Auffüh-
rungen. Zum 38. Geburtstag des Kaisers am 1. Oktober erklang im Spanischen Saal
der Prager Burg die Serenata La Contesa de’ Numi. In diesem Werk finden sich keine
expliziten Anspielungen auf die glückliche Erwartung des Kaiserpaars – es handelt
sich um ein allgemeines Huldigungswerk für einen Herrscher. Trotz eines nicht sehr
hochwertigen Librettos ist es zumindest wegen der vortrefflichen Musik von Antonio
Caldara (mit 15 Solo-Arien und zwei Chorauftritten) bemerkenswert.11
Vier altrömische Götter (Mars, Pallas, Apollo und Juno) streiten sich in einer für
Huldigungswerke typischen Auseinandersetzung, wer von ihnen der mächtigste und
unüberwindlichste sei. Jeder von ihnen stellt sich in einer Aria vor: Der wütende und
rachsüchtige Mars hebt seine Macht hervor und zwingt die anderen Götter, sich ihm
zu unterwerfen; Pallas hebt ihre Kriegskunst hervor; Apollo betont sein strahlendes
Licht; Juno leitet ihre Macht von ihrer Stellung als Gemahlin Jupiters ab. Erst als
der Göttervater mächtig die Bühne betritt, erkennen alle Götter in den einzelnen
Solo-Arien seine Vorherrschaft an. Er weist jedoch auf jemanden, der noch mächtiger
ist, auf den ‚Sohn des Himmels‘ (Figlio del Ciel) Karl VI. hin. Schließlich huldigen
alle Götter dem Kaiser, wieder in Solo-Arien, die meistens vom Streicherensemble
begleitet werden. Nur Jupiter, der in der Licenza dem Kaiser und seiner Gemahlin
glückliche Regierungstage in Frieden und Freiheit (pace e libertà) wünscht, wird als
einziger vom triumphalen Klang einer Trompete begleitet. Als der mächtigste Herr-
scher des Universums tritt hier Jupiter als Repräsentant des Kaisers auf. Eine wichtige
Rolle hat jedoch auch der Sonnengott Apollo mit seinem Licht, das nur von dem
noch stärkeren Glanz Karls VI. übertroffen wird. Caldara lenkt die Aufmerksamkeit
auf den Sonnengott durch die solistische Instrumentalbesetzung: In seiner ersten,
vom strahlenden Licht handelnden Arie A quel raggio verwendet der Komponist zwei
Violoncelli soli als konzertierende Instrumenten, in seiner zweiten Arie Lasciò la cetra
e l’arco wiederum konzertiert eine Oboe solo; die Alt-Singstimme zeichnet sich durch
eine sehr virtuose Prägung aus.
Nach seiner Geburtstagsfeier hielt sich Karl VI. mit dem Hof noch einen Monat
lang in Böhmen auf, obwohl ihm die Hofärzte empfahlen, aus Rücksicht auf die Ge-
sundheit der Kaiserin und ihres erwarteten Kinds so bald wie möglich nach Wien zu-
rückzufahren. Zum Namenstag Karls VI. am 4. November konnte also noch in Prag
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918