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Venga quel dì felice! 155
für Karl VI. aus dem Jahre 1723 nachweisen, da für die Arien jener Figuren, die
für die Selbstdarstellung und Repräsentation des Kaisers am bedeutendsten sind,
eine geradezu exaltierte Virtuosität in den Vokal- wie in den Instrumentalstimmen
aufweist. Diese Arien wurden fast ausschließlich von zwei Virtuosen des Kaiserhofes,
vom Altisten Gaetano Orsini und vom Bassisten Christoph Praun, gesungen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die sechs hier betrachteten
musikdramatischen Werke allen diesen Postulaten entsprechen und je nach Umfang,
Besetzung und Bestimmung die oben beschriebenen Charakteristika aufweisen. Die
genannten drei Elemente – mit den Libretti verbundene musikalisch-rhetorische Figuren/
Affektfiguren/Idiome, kontrapunktischer Satz und Virtuosität – erlauben es, die auf den
‚Imperialstil‘ hinweisenden Zeichen in den musikdramatischen Werken festzustellen.26
Zur Verallgemeinerung und Überprüfung dieser Signifikanten des ‚Imperialstils‘sind
jedoch sechs beispielhaft untersuchte Werke zu wenig. Zukünftige Forschungen könnten
diese Problematik eingehender erläutern und weitere Belege bringen.
In den vorliegenden Überlegungen wurde anhand einer kurzen Beschreibung der
sechs musikdramatischen Huldigungswerke aus dem Jahre 1723 versucht, einige To-
poi und Themen als Bestandteil der Repräsentationsstrategie Karls VI. zu betrachten.
Gleichfalls wurde exemplarisch gezeigt, wie stark die aktuelle dynastisch-politische
Situation die Themenwahl beeinflusste und wie im Falle von Costanza e Fortezza die
dramatische Handlung als ein ‚exemplum‘ zur Übertragung politischer Botschaften
an die Öffentlichkeit diente. Wenngleich die Auswahl der Topoi und Themen von
der aktuellen dynastisch-politischen Situation geprägt ist, bleiben die in den Werken
dargestellten Tugenden das wichtigste Element der Selbstdarstellung des Kaisers und
seiner Gemahlin. „Ecco i due Grandi, Esempio e Norma a gli altri“ – so tituliert
Jupiter in La Concordia de’ Pianeti das Kaiserpaar, deren Kindern das Erbe dieser
Tugenden zufallen sollte. Wie in den bildenden Künsten war auch in den musikdra-
matischen Werken der habsburgische Tugendkodex27 weitgehend verbindlich, wobei
er den Komponisten unzählige Möglichkeiten der Vertonung bot.
Anmerkungen
* Dieser Beitrag basiert auf der Dissertation der Autorin: Irena Veselá, Císařský styl v hudebně-
dramatických dílech provedených za pobytu císaře Karla VI. v českých zemích roku 1723 [Der
Kaiserstil in den höfischen musikdramatischen Werken zur Zeit des Aufenthaltes von Kaiser Karl
VI. in den böhmischen Ländern (1723)], Diss. Masaryk-Universität, Brno 2007, sowie (v. a. die
dynastisch-politischen Zusammenhänge betreffend) auf Štěpán Vácha/Irena Veselá/Vít Vlnas/Pe-
tra Vokáčová, Karel VI. a Alžběta Kristýna. Česká korunovace 1723. Praha-Litomyšl 2009. Deut-
sche Zusammenfassung: Vácha/Veselá/Vlnas/Vokáčová, Karl VI. & Elisabeth Christine. Die böh-
mische Krönung 1723, in: Frühneuzeit-Info 21 (2010), 226–231.
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918