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208 Sektion II: Herrscher, Staat, Nation
wie auch für die orthodoxen Rumänen Siebenbürgens.6 Hier lässt sich exemplarisch
untersuchen, wie k. u. k. Militärbauten als potentielle Repräsentanten der Gesamt-
monarchie innerhalb eines heterogenen städtischen Milieus in Randlage, dessen öf-
fentliches Baugeschehen durch die diversen Religionsgemeinschaften, Nationalitäten
und den ungarischen Staat geprägt wurde, architektonisch positioniert wurden.7 Wer
war an ihrer Planung beteiligt und wer waren ihre Adressaten?
Im Jahr 1890 regte der für Siebenbürgen zuständige Korpskommandant General
Szveteney de Nagy-Ohay8 den Bau eines neuen Kommandogebäudes in Hermann-
stadt an, das alle Kanzleien des Korps aufnehmen sollte (Abb. 1–2).9 Die Bauherr-
schaft des 1891–1892 an der wichtigsten Straße des Stadtzentrums errichteten re-
präsentativen Großbaus übernahm nicht etwa das k. u. k. Reichskriegsministerium
in Wien oder die Militärbauabteilung des 12. Korps in Hermannstadt, sondern die
Kommune. Dies war keinesfalls ungewöhnlich, denn die Kommunen waren nach
dem Einquartierungsgesetz dazu verpflichtet, an der Unterbringung der Streitkräfte
mitzuwirken, und der Bau von Kasernen war eine Möglichkeit, Einquartierungen
in Privathäuser zu verhindern.10 So hatten in der zweiten Hälfte der 1860er-Jahre
verschiedene Gemeinden im Hermannstädter Umland regelrecht darum konkurriert,
die vom Militär benötigte Kavalleriekaserne bauen zu dürfen. Gemeinden im sieben-
bürgischen Burzenland um Kronstadt/Braşov/Brassó, die hinsichtlich ihrer diesbe-
züglichen Erfahrungen befragt wurden, gaben durchweg an, sie hätten Kasernen ein-
zig und allein in der Hoffnung errichtet, zukünftig Einquartierungen zu vermeiden.11
Zudem dürften Militärbauten, für die die Militäradministration Mieten in gesetzlich
vorgeschriebener Höhe für einen Mindestzeitraum von (bei Neubauten) 25 Jahren
zu zahlen hatte12, nicht unattraktive Renditeobjekte gewesen sein – im Hermann-
städter Fall gab das Reichskriegsministerium ebenfalls eine Mietgarantie.13 Auch
wenn eine Kommune die Bauherrschaft eines Militärgebäudes übernahm, entschied
sie nicht alleine über dessen Gestaltung: Die Militärbaubehörde in Hermannstadt,
das Ministerium in Wien, das k. u. Landesverteidigungs- und das k. u. Innenminis-
terium in Budapest sowie die staatliche Verwaltung auf Komitatsebene (in Person des
Vizegespans) traten nicht nur als Institutionen auf, die die Entwurfspläne genehmig-
ten, sondern entsandten bisweilen auch Vertreter in die Bauplanungskommission.14
Die Frage, wen der Bau repräsentierte, ist also keinesfalls von vorneherein eindeutig
ersichtlich.
Im Fall des Hermannstädter Kommandogebäudes waren die Militärbauingenieure
Paul Acham und Erwin Rieger aus Wien die Verfasser des aus einem Architekturwett-
bewerb hervorgegangenen Bauentwurfs, wobei Rieger als ehemaliger Mitarbeiter der
Hermannstädter Militärbauabteilung die entsprechende Ortskenntnis mitbrachte.
Auf Wunsch der Stadtvertretung, die eine mögliche spätere Umnutzung bereits
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918