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Vor 1918
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
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212 Sektion II: Herrscher, Staat, Nation schlicht aus ökonomischen Erwägungen erfolgt sein, die gegen ein aufwändiges figür- liches Skulpturenprogramm gesprochen haben mögen. Gleichwohl wurde die Attika- balustrade des Kommandogebäudes über dem Haupteingang ursprünglich von dem von zwei Greifen gehaltenen Wappen Franz Josephs I. bekrönt. Entsprechend könnte die turmartig gestaltete Gebäudeecke mit der Kuppel als Wahrzeichen des Hauses Habsburg fungiert haben, um dessen Herrschaft in der ‚Peripherie‘ der ungarischen Reichshälfte Präsenz zu verleihen. Um besser verstehen zu können, warum zwar ein Bau der Barockzeit zum Vorbild für die Eckgestaltung des Korpskommandogebäudes gewählt, das Motiv dann aber in einen anderen stilistischen Kontext eingebettet und entsprechend überformt wurde, ist es notwendig, sich mit zeitgenössischen Bedeutungsdimensionen barocker Architektur näher auseinanderzusetzen. Die Rezeption der Reitschulkuppel und die Vollendung des Michaelertrakts müssen folglich im Kontext der damaligen intensiven Auseinan- dersetzung mit der Wiener Architektur des 17. und 18. Jahrhunderts gesehen werden. Autoren wie der dem Kaiserhaus loyal verbundene Wiener Kunsthistoriker und umtrie- bige Publizist Albert Ilg29 proklamierten die Barockarchitektur eines Johann Bernhard Fischer von Erlach, der als Schöpfer des ursprünglichen Entwurfs für den Michaeler- trakt galt30, als Vorbild für die Entwicklung eines ‚nationalen‘ Stils der Habsburgermo- narchie. Unter dem Eindruck des verlorenen Deutschen Kriegs 1866, der deutschen Reichsgründung 1871 und einer von Ilg empfundenen preußisch-protestantischen Kulturhegemonie sowie wachsender deutschnational-oppositioneller Strömungen in- nerhalb der Monarchie suchte der Autor retrospektiv nach Anzeichen habsburgischer Machtfülle und österreichischer Autonomie in der Kunstgeschichte und glaubte, sie im Barock gefunden zu haben. Als dessen Entstehungsbedingungen nannte er habsburgi- sche Kunstförderung, die Erfolge in den Türkenkriegen und die Gegenreformation. Der ‚Wiener‘ bzw. österreichische Barock galt Ilg damit als dezidiert habsburgisch-dy- nastisch, imperial und katholisch, wobei Wien als pars pro toto des Reichs fungierte. Zugleich postulierte Ilg, dass dieser Stil dem angeblich so lebenslustigen ‚österreichi- schen Volkscharakter‘ entspreche und, da er Elemente unterschiedlicher Herkunft zu etwas Spezifischem vereine, das supranationale Reich repräsentieren könne. Der so definierte Neobarock sollte zur Einung des Reichs unter Habsburgischem Regiment beitragen und ihm im internationalen Wettbewerb Profil verleihen.31 Insofern scheint der Neobarock durchaus für Bauten der ‚bewaffneten Macht‘ prä- destiniert, die vor dem Hintergrund der Nationalitätenkonflikte der Monarchie den Militärangehörigen (und letztlich auch der zivilen Bevölkerung) nach dem Willen des Kaiserhauses eine supranationale habsburgische Identität einimpfen sollte.32 Allerdings lassen sich am Hermannstädter Korpskommandogebäude (wie auch an den Wiener Arkadenhäusern), vom prominenten Motiv der Kuppel abgesehen, prak-
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Title
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Subtitle
1618–1918
Editor
Werner Telesko
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
448
Categories
Geschichte Vor 1918
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