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K. u. k. Militärbauten als Repräsentanten der Gesamtmonarchie in der siebenbürgischen ‚Peripherie‘ 219
der Karlskirche, das seinerseits diese barocken Bauten rezipierte: Das neobarocke
Ordenshaus der Kreuzherren mit dem roten Stern, die an der Karlskirche im kaiserli-
chen Auftrag Seelsorge versahen, war 1897–1898 nach Entwurf von Karl und Julius
Mayreder errichtet worden; Verweise auf die Architektur Fischer von Erlachs stellten
eine Verbindung zur kaiserlichen Karlskirche her. Durch den deutlichen formalen
Bezug zum Kreuzherrenhof wurden auch dessen klar imperial-(katholische) Agenda
auf das Korpskommandantenpalais übertragen.51
Möglicherweise spielte bei der Wahl dieser Gestaltungsstrategie auch eine Rolle,
dass Erzherzog Franz Ferdinand, der als Förderer des ‚Wiener Barock‘ gilt, mittler-
weile den Kaiser als Oberbefehlshaber der ‚bewaffneten Macht‘ vertrat. Die großzü-
gige Anlage, die Dienst- und Wohnräume des Korpskommandanten aufnahm, wird
von einer prächtigen Einfriedung eingefasst, vor der eine Ehrenwache postiert war.
Mit seiner zweiflügeligen Auffahrt, dem repräsentativen Vestibül und Stiegenhaus,
dem rückwärtig angebauten Ballsaal sowie reichem Trophäenschmuck ließ der Bau
keinen Zweifel am adligen Stand und militärischen Rang des Hausherrn. Zugleich
implizierte seine Gestaltung, dass der vorstädtische Prachtboulevard, an dem die Re-
sidenz entstand, innerhalb einer Stadt läge, die selbst gleichsam Vorstadt des Zent-
rums eines unteilbaren Reichs sei.
Anmerkungen
1 Die sogenannte ‚bewaffnete Macht‘ der Doppelmonarchie war dreigliedrig aufgebaut: Neben dem
gesamtstaatlichen Reichsheer und der Kriegsmarine, die einem vom Kaiser/König ernannten k. u. k.
Reichskriegsminister unterstellt waren, gab es eine daraus ausgegliederte k. k. Landwehr im österrei-
chischen Reichsteil sowie deren Pendant, die k. u. Honvéd in Transleithanien, unter der Zuständig-
keit eines k. k. bzw. k. u. Landesverteidigungsministers.
2 Johann Christoph Allmayer-Beck, Die bewaffnete Macht in Staat und Gesellschaft, in: Adam
Wandruszka (Hg.), Die bewaffnete Macht (Die Habsburgermonarchie 1848–1918, Bd. 5), Wien
1987, 1–141, hier 94 f.
3 Vgl. ebd., 98.
4 Walter Wagner, Die k. (u.) k. Armee – Gliederung und Aufgabenstellung, in: Adam Wandruszka
(Hg.), Die bewaffnete Macht (wie Anm. 2), 142–633, Karte 2 „Abgrenzung und administrative
Eintheilung der Militär-Territorial-Bezirke in der österreichisch-ungarischen Monarchie“ (Ladislaus
Hrubant, 1883).
5 Stadtplan von Hermannstadt im Jahre 1914, in: Führer durch Hermannstadt und dessen Umge-
bung, hg. v. der Sektion „Hermannstadt“ des Siebenbürgischen Karpaten-Vereins, Hermannstadt
1914.
6 Einen Überblick zur Hermannstädter Stadtgeschichte bietet: Harald Roth, Hermannstadt. Kleine
Geschichte einer Stadt in Siebenbürgen, 2. Aufl., Wien-Köln-Weimar 2007.
7 Die Dissertation mit dem Titel Gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen in der siebenbürgischen Archi-
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918