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226 Sektion III: Netzwerke
kurrenz zum französischen König Ludwig XIV., der am zweithäufigsten unter den
historischen Persönlichkeiten der Sammlung anzutreffen ist), sondern veranschau-
licht auch die Reaktion der Rezipienten auf den Facettenreichtum kaiserlicher Ikono-
graphie – in diesem Fall aus dem Blickwinkel eines Adeligen aus der Provinz.
Hinter Valvasors Sammeleifer stand aber mehr als das rein historische Interesse
eines Chronisten an den Ereignissen seiner Zeit, konkrete Beweggründe lassen sich
vor allem an einem Beispiel gut illustrieren: In einem Band sind rund 80 Bildnisse
reitender Potentaten versammelt, darunter auch mehrere Blätter mit Kaiser Leo-
pold I. zu Pferd. Eines davon ist mit einem Linienraster versehen, der auf eine spätere
Vergrößerung der Darstellung hindeutet. In einem Brief an die Royal Society in Lon-
don kündigte Valvasor 1686 an, ein überlebensgroßes Reiterstandbild Leopolds I. in
einer neuen Gusstechnik anfertigen zu wollen. Eine „Gedechtniß-Seule“ war bereits
anlässlich der Erbhuldigung in Laibach (1660) vom krainischen Landtag bewilligt
worden, Valvasor wollte nun deren Umsetzung in Form eines Reiterdenkmals initiie-
ren, bei dem es sich – wäre es errichtet worden – um das erste monumentale Reiter-
standbild Kaiser Leopolds I. im öffentlichen Raum gehandelt hätte. Die Blätter mit
Reiterbildnissen dienten Valvasor sichtlich als Anschauungsmaterial, wie sich dieses
Sujet bildlich realisieren ließe.
Reflexion von Akteuren in höfischen Netzwerken?
Da sich Netzwerke aus Relationen zusammensetzen, bezieht sich eine Problemstel-
lung der Repräsentationsforschung auch auf die Wahrnehmung der ‚Anderen‘ im
höfischen Nexus und fragt damit, ob es ein Selbstverständnis, eine Reflexionsdimen-
sion abseits der Rollendeterminierung innerhalb der Hofgesellschaft gegeben hat.
Die Frage nach einer solchen historischen Subjektivität ist hinsichtlich des Flucht-
punkts aller Netzwerke des Absolutismus, des Herrschers selbst, besonders interes-
sant, lässt aber aufgrund der Quellenlage nur vorsichtige Antworten zu. Immerhin
kann auf dieser Grundlage jedoch das „Netzwerk der Interdependenzen“3, in das der
Souverän verflochten war, transparent gemacht werden.
Stefan Seitschek nähert sich dieser Thematik aus der Perspektive des Herrschers
und analysiert in seinem Beitrag Das Ohr des Fürsten. Der Wiener Hof um 1720 die
Tagebuchnotizen von Kaiser Karl VI. im Zeitraum zwischen 1720 und 1725. Einer
habsburgischen Tradition folgend führte auch Karl VI. Schreibkalender, in denen er
kurze schlaglichtartige Einträge zu den Ereignissen eines Tages verfasste. Schwierig-
keiten bei der Transkription dieses Quellenbestandes ergeben sich nicht nur aus der
schwer lesbaren Schrift des Kaisers, sondern auch aus seiner abgehackten Schreib-
weise, denn oft reihte er nur (teilweise abgekürzte) Schlagwörter aneinander. Bei der
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918