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246 Sektion III: Netzwerke
Wie bei vielen seiner Zeitgenossen hatte die Ikonographie des Kaisers im Bild-
universum Valvasors eine hervorragende, dem Herrscher angemessene Bedeutung.
Davon zeugen auch unscheinbare Drucke wie der kleinformatige Kupferstich von
J. M. Lerch, auf welchem die in den Grundstein der Pestsäule am Wiener Graben im
Jahre 1687 eingelegte kaiserliche Gedächtnismünze abgebildet ist.51 Allem Anschein
nach betrachtete der krainische Polyhistor das kleine illustrierte Flugblatt nicht nur
als Ausdruck kaiserlicher Frömmigkeit bzw. der Pietas Austriaca, sondern auch als ein
wertvolles zeitgeschichtliches Dokument.52 Wie immer es gewesen sein mag, dies ist
auch ein Beispiel dafür, dass der krainische Freiherr zeit seines Lebens mit der Iko-
nographie des Kaisers in allen ihren wichtigen Facetten in Berührung kam. Das In-
teresse an der kaiserlichen Ikonographie war bei Valvasor bestimmt intensiver als bei
den meisten seiner adeligen Zeitgenossen, denn es war durch Bedürfnisse motiviert,
die für andere Empfänger keine so große Rolle spielten: durch den Wissensdurst des
Polyhistors, durch die Neugier und Leidenschaft des Sammlers sowie durch kreative
Überlegungen des Künstlers, Technikers und Erfinders. In diesem Zusammenhang
sollte besonders seine Absicht betont werden, ein Reitermonument des Kaisers für
Laibach zu gießen. Wahrscheinlich ist dieses Bestreben als Ausgangspunkt seiner Be-
mühungen zu verstehen, Reiterbildnisse des Kaisers in verschiedenen Varianten ken-
nenzulernen und in seiner Sammlung aufzubewahren. Obwohl seine diesbezüglichen
Pläne scheiterten, sollte ihre Bedeutung für die Geschichte der politischen Ikonogra-
phie der Habsburger dennoch nicht in Vergessenheit geraten.53
Anmerkungen
1 Über Valvasor wurde sehr viel in slowenischer Sprache publiziert. Das Standardwerk ist Branko
Reisp, Kranjski polihistor Janez Vajkard Valvasor, Ljubljana 1983. In der neueren Zeit vgl. Boris
Golec, Neznano in presenetljivo o življenju, družini, smrti, grobu in zapuščini Janeza Vajkarda Val-
vasorja, in: Zgodovinski časopis 61 (2007), 303–364; Boris Golec, Polihistor J. V. Valvasor, njegovi
bližnji in daljni potomci. Nova odkritja iz prezrtih arhivskih zakladov [Der Polyhistor J. W. Valvasor
(1641–1693), seine nahen und fernen Nachkommen. Neue Entdeckungen aus übersehenen Ar-
chivschätzen] (übersetzt von Doris Debenjak), in: Arhivistika, zgodovina, pravo. Vilfanov spominski
zbornik (2007), 87–112; Boris Golec, Vlavasorjev izvor, družina in mladost – stare neznanke v novi
luči, in: Kronika 61 (2013), 5–66 und 217–272. In deutscher Sprache gibt es die alte Monographie
von Peter von Radics, Johann Weikhard Freiherr von Valvasor, Ljubljana 1910. Neueres über Val-
vasor, seine Bibliothek und seine graphische Sammlung in deutscher Sprache: Vladimir Magić, Die
Bibliothek J. V. Valvasors, in: Gutenberg Jahrbuch 72 (1997), 332–341; Irmgard Palladino/Maria
Bidovec, Johann Weichard von Valvasor (1641–1693). Ein Protagonist der Wissenschaftsrevolution
der Frühen Neuzeit. Leben, Werk und Nachlass, Wien-Köln-Weimar 2008; Milan Pelc, Theatrum
humanum. Illustrierte Flugblätter und Druckgrafik des 17. Jahrhunderts als Spiegel der Zeit. Bei-
spiele aus dem Bestand der Sammlung Valvasor des Zagreber Erzbistums, Ostfildern 2013.
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918