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Das Ohr des Fürsten 259
Hofstallungen, Hofbibliothek und Reichskanzlei), sind Bauprojekte und ihre Pro-
tagonisten in den Quellen wesentlich schwerer fassbar. Da der Kaiser auf seinen Ver-
trauten Graf Althann stets nur mit dessen Nachnamen verwies, könnten sich manche
Erwähnungen auf den 1716 ernannten Hofbaudirektor Gundacker Graf Althann
(1665–1747) beziehen. Der Kontext der Nennungen scheint dies jedoch überwie-
gend auszuschließen.
Der für die Entwürfe kaiserlicher Medaillen und für Bauprogramme bedeutende
Carl Gustav Heraeus (1671–ca. 1725) wird in den untersuchten Jahrgängen gar
nicht genannt. Auch der Tod des Hofarchitekten Johann Bernhard Fischer von Er-
lach (1656–1723) Anfang April 1723 bleibt unerwähnt. Häufig erscheint hingegen
der Name Pio Niccolo Garellis (1679–1739), der ab 1723 Präfekt der Hofbibliothek
war. Sein Name fällt aber praktisch ausschließlich im Zusammenhang mit seiner
Rolle als medizinischer Vertrauensmann des Kaisers. Der Name von Garellis Vor-
gänger in der Hofbibliothek, Johann Benedikt Gentilloti (1672–1725), fällt einmal:
„nahmit[tag] in bibl[iothek] ney mit Gentil[oti]“ (25. November 1720).15 Hinweise
auf ihn und mehrfach auf Besuche in der ‚neuen‘ Bibliothek deuten jedenfalls auf das
geplante und 1722 begonnene Bauprojekt am Josefsplatz hin.
Wird die Grundsteinlegung der Karlskirche am 4. Februar 1716 nicht erwähnt,
notierte der Kaiser aber die Grundsteinlegung der Kirche des spanischen Spitals:
„sonst 10 in spanis[ch] spital, ambt, stein legen“ (2. August 1722). Auch interessierte
sich Karl VI. für den Fortgang der Arbeiten in der Schwarzspanierkirche: „11 spa-
nisch clost[er], ambt, closterk[i]rchen s[e]hen“ (5. April 1723).
Etwas ausführlicher werden die Notizen zu Bauten bei den Reisen des Kaisers.
So notierte er zu Schloss Pirnitz auf der Prager Reise: „alt schloss, hibsch“ (23. Juni
1723). Zu Iglau ist zu lesen: „7 messen bey Jesuitern, schon kirch“ (25. Juni 1723)
bzw. „schon statt, abson[derlich] plaz wo tu[c]her16, hib[sch]“ (24. Juni 1723). Diese
Beispiele könnten beliebig erweitert werden, etwa anlässlich der Erbhuldigungsreise
1728 nach Innerösterreich;17 aus ihnen wird deutlich, dass sich der Kaiser für seine
Umgebung interessierte und diese bewusst wahrnahm. Dabei notierte er sich auch
Hinweise zur Landschaft. Gefiel ihm etwa Kärnten (19. August 1728: „schoner
landt“), setzte ihm die Hitze und die steinige Gegend des Karsts 1728 zu.
Wird durch die Nennung von Gebäuden und Ortschaften ein gewisses Kunstinte-
resse des Kaisers greifbar, wird dieses durch die mehrfachen Besuche der Prager Ge-
mäldegalerie 1723 besonders deutlich, die er unmittelbar nach seiner Ankunft, aber
auch vor seiner Abreise zu seiner Zufriedenheit besuchte (1. Juli: „gale[rie], schaz-
ca[mmer] saal, hibsch bilder“, 29. Oktober 1723: „gal[erie] bildter sehen“). Mehrfach
notierte er Besuche auch in der Wiener „galeria“, etwa am 22. April 1723: „in galeria,
wohl, zufriden“. Das Wienerische Diarium vermeldete unter diesem Datum den Be-
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918