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Habsburgische Propaganda des kaiserlichen Botschafters 273
ganze treno Richtung Porta Fiaminia und weiter den Corso entlang bis zum Botschaf-
terpalais, wo man für die wichtigsten Teilnehmer eine standesgemäße Erfrischung
(rinfresco) vorbereitet hatte. Die erhaltenen Veduten stellen die versammelten Kut-
schen meistens auf der Piazza del Popolo, auf dem Höhepunkt des Einzugs, und vor
dem päpstlichen Palast am Quirinal, dem Ort der offiziellen Audienz, dar (Abb. 4).
Nachdem man das Datum (22. Mai 1714) der ersten öffentlichen Audienz des
Botschafters Gallas festgelegt hatte, distribuierte das gräfliche Personal die Einla-
dungen an alle römischen Prominenten. Am Tag der Audienz versammelte sich der
prächtig all’Imperiale bekleidete Gallas’sche Haushalt und wurde dem Rang nach in
den Antekammern des Palais postiert. Der kaiserliche Kammerdiener bewirtete die
Gäste mit Eis, Schokolade und Biskuits. Als der Graf den Audienzsaal verließ, ertönte
die Glocke. Die Ehrenbelegschaft seiner Kutsche bestand aus fünf Erzbischöfen, und
zu seinem Gefolge gehörte „di grandissimo numero de servitori“. Der ganze Weg
war von jubelnden Massen gesäumt. Nach der Ankunft im Quirinalspalast verweilte
der Graf in der Kutsche, bis sein Gefolge im Treppenhaus ein Spalier gebildet hatte.
Danach stieg er über die Treppe hinauf und betrat die Antekammer (Anticamera
de’bussolanti), in deren Mitte ihn der päpstliche Kammerdiener empfing, um ihn in
die zweite Antekammer (Anticamera della Bussola di Damasco) zu begleiten, wo etli-
che Prälaten warteten. Nach dem Eintritt in den Audienzsaal (Camera della Bussola
di Damasco) übergab der anwesende kaiserliche Sekretär dem Botschafter Gallas seine
Beglaubigungsurkunde (lettere credenziali). Bei der Ankunft des Papstes verbeugte
sich Gallas zweimal, kniete nieder und küsste den päpstlichen Halbschuh. Sitzend
trug er auf Lateinisch seine Rede vor und übergab dem Papst die Beglaubigungs-
urkunde. Zum Schluss bat der Graf um die Bewilligung, die Mitglieder seines Per-
sonals vorstellen zu dürfen: Diese traten nacheinander vor und küssten die päpstli-
chen Schuhe. Nachfolgend besuchte Gallas die beiden wichtigsten Kardinäle in ihren
Appartements, Staatssekretär Fabrizio Paulucci (1660–1726) und den päpstlichen
Kammerdiener Annibale Albani (1682–1751). Während der Rückkehr begleiteten
den Grafen Fanfarenklänge zu seinem Palast, wo wiederum die vornehmen Gäste
Erfrischungen erhielten und auf dem Platz vor dem Palais Almosen verteilt wurden.
Die quantitative Bilanz bei der ersten öffentlichen Audienz war besser als im Fall
des Einzugs: Es kamen insgesamt 289 Kutschen, um an diesem Spektakel teilzuneh-
men.40 Die nachfolgenden Wochen waren von den obligatorischen Besuchen bei ins-
gesamt 34 Kardinälen ausgefüllt. Nach jedem dieser bis ins kleinste Detail geplanten
Besuche folgte die beiderseitige höfliche Danksagung.41
Am 13. Juli 1714 traf auch der Olmützer Bischof Wolfgang Hannibal von
Schrattenbach (1660–1738) inkognito in Rom ein. Nach einer kurzen Kontrolle
der Bauarbeiten im Palazzo Altemps fuhr er zu seiner Villa in Frascati. Schon zwei
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918