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274 Sektion III: Netzwerke
Wochen danach vollzog Schrattenbach seinen öffentlichen Einzug, daran anschlie-
ßend bekam er im päpstlichen Konsistorium den Kardinalshut und wurde zum Kom-
protektor der (österreichischen) Erbländer ernannt. Am 8. Jänner 1715 übernahm er
seine Titularkirche San Marcello auf dem Corso.42
Graf Gallas konnte seine Reputation erst fast ein Jahr später verbessern, als er am
2. August 1715 schließlich mit seinem neuen „manifico e sontuoso Treno“ ganz Rom
in Staunen versetzte.43 Aufgrund der ausführlichen Beschreibung seiner Kutschen
kann man annehmen, dass diese den erhaltenen Kutschen des portugiesischen Abge-
sandten aus demselben Jahr sehr ähnlich sahen. Die Bekleidung des livrierten Perso-
nals wurde mit Silber gewebt, die Pferdegeschirre waren aus vergoldetem Brokat. Der
Treno bestand aus vier Sechsergespannen und zehn Zweiergespannen. Die ersten vier
Kutschen wurden mit monumentalen, vergoldeten Skulpturen und kostbaren Texti-
lien verziert. Der erste Wagen (stufiglia), den man auf 50.000 Fiorini schätzte, fuhr
obligat leer. Er war mit blauem Samt gepolstert und mit allegorischen Figuren der
Minerva, der Aufklärung, der Barmherzigkeit und des Großmuts sowie im oberen
Teil mit Putten, Lorbeerzweigen und dem kaiserlichen Adler dekoriert. Der zweite
Wagen, jener des Botschafters selbst, war mit goldenem Brokat ausgeschlagen und
mit Allegorien auf den Sieg des Friedens über den Krieg sowie Figuren von Herkules,
Merkur und der Victoria mit Palmenzweig verziert. Den oberen Abschluss bildete
die kaiserliche Krone. Die dritte Kutsche tapezierte man mit rotem Samt und wählte
Personifikationen der Aufklärung, des gekrönten Ruhms und der Unsterblichkeit.
Der vierte Wagen war mit grünem Samt ausgestattet und mit Putti mit Lorbeerkrän-
zen dekoriert. Graf Gallas übertraf damit angeblich „alles, was man je in Rom sehen
konnte“.44
Der Palast
Im Gegensatz zu den spanischen und venezianischen Gesandten oder auch zu den
toskanischen Großherzogen besaßen die kaiserlichen Botschafter in Rom kein ständi-
ges Domizil. Dieses Faktum stellte – praktisch wie zeremoniell gesehen – ein Manko
dar. Jeder Botschafter war daher auf eine ad hoc ausgehandelte und sehr aufwändige
Anmietung angewiesen. Finanziell sowie logistisch herausfordernd war auch die not-
wendige Einrichtung solcher gemieteten Unterkünfte, die man am Ende jeder Mis-
sion wieder komplett verkaufte. Eine optimale Residenz sollte die Ansprüche an er-
wünschte Stattlichkeit, an großzügige Geräumigkeit und vor allem an eine passende
Lage erfüllen. Nach solchen, diesen Kriterien entsprechenden Gebäuden herrschte
in der Ewigen Stadt immer eine erhebliche Nachfrage. Im Hinblick auf den Status
einer autonomen diplomatischen Jurisdiktion (luogo di rispetto), den die römischen
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918