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280 Sektion III: Netzwerke
Durch sein prachtvolles Auftreten war es dem böhmischen Grafen gelungen, die
Aufmerksamkeit Roms auf sich zu lenken, was zur Stärkung des kaiserlichen Prestiges
beitrug und alle potenziellen Versuche, dieses zu mindern, eliminierte. In Summe
erweist sich das Verhältnis des Grafen Gallas zur Kunst als ausgesprochen ambiva-
lent: Der Kunst kam für ihn in erster Linie die Rolle eines visuellen Rahmens, ei-
ner Staffage oder eines musikalischen Hintergrunds innerhalb eines herausragenden
Barockspektakels der Repräsentation, der politischen Ambitionen und der sozialen
Hierarchien zu.66
Das Ziel der kaiserlichen Botschafter am päpstlichen Hof war es, den status quo zu
überwachen, die exklusive Position des Kaisers zu bestätigen sowie durch symboli-
sche (visuelle) Übermacht die Vorrangstellung zu halten bzw. den Eindruck der Ein-
zigartigkeit (und Attraktivität) weiter zu bekräftigen. Die Förderung von Künstlern
war einerseits Ausdruck von Großzügigkeit und anderseits ein übliches Kennzeichen
eines kultivierten Angehörigen der oberen Schicht. Im Vergleich mit anderen Bot-
schafterkollegen verfügte Gallas über (scheinbar) genügend Finanzmittel, die er ohne
zu zögern für seine prunkvollen Auftritte opferte, um die Ewige Stadt zu begeistern.
Denn auf seinen guten Ruf hatte der Graf hohen Wert gelegt. Wie sehr Gallas’ Leis-
tung von seinem Naturell oder von einer möglichen strategischen Motivation – im
Sinne einer Investition in die zukünftige Karriere – vorangetrieben wurde, ist schwer
zu bestimmen. Johann Wenzel von Gallas stellte jedenfalls einen geborenen Barock-
diplomaten dar, der seine Ziele mit verschwenderischer Opulenz zu verfolgen wusste.
Anmerkungen
* Dieser Text entstand im Rahmen des Projekts der Universität Pardubice Bohemian and Moravian
Nobility in the Diplomatic Service of the Austrian Habsburgs (1640–1740), 2013–2017, The Czech
Science Foundation (GA ČR), Projektnummer 13-12939S.
1 Evropäische Fama, 10. August 1715, Nr. 175, pag. 489.
2 AVA, Familienarchiv Harrach (weiter nur FA Harrach), Karton 304, Brief des W. A. von Stenberg an
Ferdinand Bonaventura Harrach, Prag, 4. Dezember 1694
3 Petra Vokáčová, Příběhy o hrdé pokoře. Aristokracie českých zemí a císařský dvůr v době vrcholného
baroka, Dissertation, Masarykova univerzita v Brně 2007, 91f, 388 f.
4 Friedrich Polleross, Die Kunst der Diplomatie. Auf Spuren des kaiserlichen Botschafters Leopold
Joseph Graf von Lamberg (1653–1706), Petersberg 2010, 526 f.
5 HHStA, StAbt, Italienische Staaten, Rom, Varia, Karton 28, Faszikel 1719.
6 Staatliches Regional Archiv Děčín (weiter nur SOA Děčín), Familienarchiv Clam-Gallas (weiter nur
HS Clam-Gallas), Inv.-Nr. 1543, Karton 436.
7 Angabe aus dem Jahr 1729: Vokáčová, Příběhy (wie Anm. 3), 393.
8 Elisabeth Sladek, Palazzo Chigi an der Piazza SS. Apostoli, Dissertation, Universität Wien 1983,
3 f.
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918