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348 Sektion IV: Zeremonielle Räume und die „Öffentlichkeiten“
reichischen Ländern waren nur die Quecksilberbergwerke in Idria ertragreich. Nach
dem Ende des Kriegs wurden umfassende Visitationen der Montanreviere durch
leitende Montanexperten in der ganzen Monarchie durchgeführt. In diesem wirt-
schaftshistorischen Kontext ist es somit keine Überraschung, dass die Herrscher ihre
Aufmerksamkeit auf die protoindustriellen Zentren des Berg- und Hüttenwesens in
Ungarn richteten.
Die Visitationsreise Franz I. Stephans nach Schemnitz und Kremnitz im Jahr 1751 als
Referenzpunkt
Bereits die Reise von 1751, die ursprünglich als eine Reise des kaiserlichen Paars6
geplant wurde, zeigt die wirtschaftspolitischen und naturwissenschaftlich-technolo-
gischen Interessen Franz I. Stephans.7 Während seiner Reise, die von 3. bis 13. Juni
1751 stattfand, besuchte er nur die zwei wichtigsten Bergstädte in Niederungarn
(Abb. 1), Schemnitz und Kremnitz, sowie die ärarischen Bergwerke und Hütten-
anlagen in ihrer Umgebung.8 Einen genauen Ablauf der Visitationsreise beschreibt
nicht nur das Wienerische Diarium9, sondern auch ein Protokoll des Schemnitzer
Stadtmagistrats.10
Bereits bei der Ankunft begrüßten beide Bergstädte und die Montanverwaltung
den Kaiser durch aufwendig gestaltete Ehrenpforten, die vom lokalen Maler Anton
Schmidt11 ausgeführt wurden. Ihr reiches ikonographisches Programm verweist da-
rauf, dass sein Verfasser bestens mit der aktuellen kaiserlichen Repräsentationspro-
grammatik12 vertraut gewesen sein muss.13 Dieser feierliche Adventus des Kaisers und
ungarischen Mitregenten zeigte deutlich, dass es sich bei dem Besuch um keine übli-
che Visitationsreise handelte. Denn anders als bei den alljährlichen Visitationen der
ärarischen Bergwerke und Hütten in Niederungarn durch den Oberkammergrafen14
von Schemnitz war sein Besuch nicht nur den Rechnungsagenden und dem reibungs-
losen technologischen Lauf der Bergwerke gewidmet. Seine kameralistischen und
montanistischen Interessen15 wurden hier durch die erstmalige Anwesenheit eines
Herrschers im Bergbaugebiet seit dem Mittelalter überhöht, was eine entsprechende
Inszenierung des Besuchs mit sich zog.
Der Besuch wurde von zahlreichen Medien begleitet und festgehalten. Dazu zählte
nicht nur die ephemere Architektur der Ehrenpforten, sondern auch Medaillen, die
zu dem Anlass geprägt wurden. Auf der einen ist der Adventus16 dargestellt: Franz I.
Stephan mit Kaiserkrone auf einem sich aufbäumenden Pferd wird von einer Gruppe
Bergbeamter begrüßt, die ihm symbolische Geschenke (Erzstufen, Eisen und Schlä-
gel, Stadtschlüssel) überreichen. Im Vordergrund schüttet einer von ihnen dem Pferd
des Kaisers vermutlich gold- und silberhaltiges Erzkonzentrat vor die Hufe. Im Hin-
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918