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354 Sektion IV: Zeremonielle Räume und die „Öffentlichkeiten“
einen Bergkittel und ein Bergleder überreicht. Passend ausgestattet verbrachten sie
also den nächsten Tag größtenteils untertage. Sie besichtigten den Glanzenberg- und
den Dreifaltigkeits-Erbstollen am Vormittag und den Bieber-Erbstollen am Nach-
mittag. Dabei wurden Untertagekünste einschließlich der Feuermaschine und der
Hellschen Wassersäulenmaschine inspiziert, auch bauten die Besucher eigenhändig
Silbererz ab. Am nächsten Tag folgte der Aufstieg auf den Kalvarienberg. Hier zeigte
der Markscheider Franz Xaver Schöner den Prinzen die Kunst des Vermessens mit
Hilfe des Schienzeugs. Es folgte der zweite Besuch bei der Wassersäulenmaschine, die
ihnen vom Erbauer Joseph Karl Hell erklärt wurde, und beim großen Pferdegöpel
(Abb. 4) am Andreas-Schacht. Am Nachmittag zeigte ihnen Professor Nicolaus J.
Jacquin (1727–1817)36 in seinem neu eingerichteten Laboratorium die Handgriffe
des Probierens von Edelmetallen. Drei Stunden lang führte er chemische Versuche
mit den Schemnitzer Erzen, aber auch publikumswirksame Gasentzündungen und
Versuche mit Farbänderungen vor. Am Abend überreichte ihnen der Markscheider
Schöner eine Grubenkarte, in welcher die am Morgen vorgenommenen Messungen
eingezeichnet waren.
Am nächsten Tag begaben sich die Prinzen in der Begleitung der hohen Bergbeam-
ten in das nahe gelegene Hodritsch. Hier fuhren sie in den Kaiser-Franz-Erbstollen,
der diesen Namen seit dem Besuch ihres Vaters trug, ein. Nach dem Mittagessen im
Scharnowitzer Brauhaus schauten sie sich die dortige Hütte an und ließen sich die
Öfen und Silberverhüttungsprozesse erläutern. Der Dienstag war der Besichtigung
der Werke über Tage vorbehalten, sie wurden durch die Pochwerke, Schlämmstuben
und die Manipulation der Goldausziehung bei Schemnitz sowie das Hüttenwerk am
Stadtgrund geführt. Dabei wurden ihnen die unterschiedlichen Technologien der
Erzaufbereitung vor dem Verhütten erklärt. Den Rest des Tages verbrachten sie in der
Rechnungskanzlei, der Hauptkasse und der Modellsammlung im Schemnitzer Kam-
merhof. Mit der Erklärung der Montanrechnungsagenden, Erzmengenkalkulationen
und des Wirtschaftsrechnungswesen im Rahmen der sogenannten Konsultations-
agenden führte man sie direkt in einige der zentralen kameralistischen Verwaltungs-
praktiken ein.
Der Mittwoch sollte weniger arbeitsintensiv gestaltet werden und mit mehr Zer-
streuung verbunden sein. Vormittags wurde eine große Militärparade abgehalten. Es
exerzierten ungefähr 1000 Bergleute in sechs Kompanien. Joseph ließ als Belohnung
den Bergleuten 300 Dukaten auszahlen und den Offizieren der Bergmiliz silberne
Seitengewehre und andere Geschenke überreichen. Bei der obligatorischen öffent-
lichen Mittagstafel machten nicht nur der ganze innere und äußere Stadtrat, son-
dern auch die in Schemnitz auszubildenden adeligen Praktikanten ihre Aufwartung.
Anschließend wurde ein Schießwettbewerb, an dem auch die Prinzen teilnahmen,
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918