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372 Sektion IV: Zeremonielle Räume und die „Öffentlichkeiten“
Schon am neuen Bahnhofsplatz, anlässlich des Besuch feierlich ‚Franz-Josephs-Platz‘
benannt, wurden Triumphbögen mit allegorischen Figuren, Einheit und Frieden so-
wie Wirtschaft, Industrie, Kunst und Wissenschaft unter dem Herrscher Franz Jo-
seph darstellend, aufgestellt (Abb. 2).19 Der König selbst bemerkte diese Neuerungen.
Während seines ersten Besuchs, mehr als vierzig Jahre zuvor, hatte er noch seiner
Mutter geschrieben: „das Land [Kroatien-Slawonien] ist recht hübsch, die Stadt
Agram minder“ – das Bild von schlammigen Makadam-Straßen bei großen Regen-
schauern blieb wahrscheinlich beim König dauerhaft in Verbindung mit Zagreb.20
Jetzt aber lobte Franz Joseph die Stadt öffentlich und privat, er betonte „[d]ie Stadt
entwickelt sich sehr rationell, in Agram wird viel und schön gebaut“21 und schrieb
seiner Katharina Schratt noch dazu: „Die Stadt ist sehr groß, hübsch und sauber ge-
worden mit vielen schönen, neuen öffentlichen Gebäuden und sehr gut gehaltenen
Gartenanlagen. Die Gegend ist sehr freundlich und war noch sehr grün [...]“.22 Der
Banal-Hof am Markusplatz wurde zum allerhöchsten Hoflager, weshalb alle Dekora-
tionen um diesen Platz mit politischer Symbolik verbunden waren. Am neuen Platz
des Nationaltheaters wurden schließlich Steinpfeiler mit allegorischen, antik-grie-
chischen Schauspielermasken aufgestellt, um auf Drama und Komödie hinzuweisen.
Schließlich war auch die Stadtbeleuchtung meistens in nationalen rot-weiß-blauen
Farben inszeniert.
Gleichzeitig bestand die Tendenz, die Festtage im kommerziellen Sinne auszu-
nutzen. Sämtliche Firmen, Hersteller und Händler aus Kroatien-Slawonien, aber
auch aus Österreich, Ungarn oder sogar aus dem Ausland (Schweiz, Deutschland)
erweiterten ihr Angebot mit Gedenk- oder Sonderprodukten für die großen Massen.
Während durch diesen kommerziellen Aspekt auch ein breiteres Publikum ins Pro-
gramm der Festtage eingeschlossen wurde, wurden kleinere Details und besondere
Artefakte zusätzlich ins offizielle Dekor eingefügt. Beispielsweise wurden spezielle
feierliche Auszeichnungen, die Franz Joseph persönlich an seine Untertanen verteilte,
in Zagreb, Budapest und Wien angefertigt. Der Bildhauer Robert Mihanović Frangeš
entwarf und modellierte einen silbernen Hammer, der von Franz Joseph für die
Schlusssteinlegung des Nationaltheaters benutzt wurde. Der Hammer war mit Edel-
steinen in den Nationalfarben, allegorischen Figuren, die Kunst und Wissenschaft
repräsentieren sollten, einem Medaillon-Porträt des Herrschers mit Krone, einer Ge-
denktafel und einer Reliefarbeit der vier theatralischen Musen verziert (Abb. 3).23
Also auch die kleinsten Details sollten eine Nachricht übermitteln: Zagreb und Kroa-
tien-Slawonien haben sich unter Franz Joseph und der dualistischen Einrichtung der
Monarchie weiterentwickelt.
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918