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378 Sektion IV: Zeremonielle Räume und die „Öffentlichkeiten“
Um die kroatische Selbstdarstellung zusätzlich zu verringern, genehmigten die
kroatische Landesregierung beispielsweise serbische Fahnen auf den orthodoxen Kir-
chen, aber auch auf Privathäusern und Geschäften – im Bewusstsein, dass diese von
den kroatisch nationalgesinnten Bürgern und besonders von der Jugend als Provo-
kation gesehen werden würden.35 Dieses gefährliche politische Spiel führte bald zu
großen Problemen: Polizeiinterventionen, Angriffe auf die serbisch-orthodoxe Kir-
che, Krawalle, zerbrochene Kirchen- und Schaufenster der serbischen Geschäfte und
schließlich noch eine eskalierende Situation, deren persönlicher Zeuge Franz Joseph
wurde. All das zusammen machte die Situation des Banus sehr kompliziert.
Natürlich findet man bei den Festlichkeiten auch verschiedene kroatisch-national
geprägte Elemente, die zur gleichen Zeit dynastische Loyalität und kroatische Identi-
tät repräsentierten. Besonders Izidor Kršnjavi bemühte sich, mehrere Kulturereignisse
für den König zu organisieren, die von kroatischen Künstlern und Musikern gestaltet
wurden. Dazu gehörte beispielsweise eine kleinere Ausstellung der bildenden Künste,
wo Maler wie Vlaho Bukovac, Celestin Medović, Oton Iveković oder Bildhauer wie
Robert Mihanović Frangeš den König auch persönlich mit ihren Werken bekannt-
machten und Subventionen von Seiten des Kaiserhauses besprochen werden konn-
ten. Wenig später erhielt Frangeš ein Stipendium für Paris bei Auguste Rodin36 und
Vlaho Bukovac eine Einladung, den Monarchen selbst zu porträtieren (Abb. 6).37
Weil gerade die festliche Eröffnung des neuen Theatergebäudes als ein wichtiger
Eckpfeiler der ganzen Kaiserreise geplant war, beteiligte sich der Intendant des Nati-
onaltheaters Stjepan Miletić bei der Erstellung des Programms besonders engagiert.
Seine Vision der Inszenierung aller festlichen Momente, die das Nationaltheater be-
trafen, also die feierliche Eröffnung, die Besichtigung des Theaters mit Begleitung der
Architekten und Baumeister, die Besichtigung der Bühne und des Theaterpersonals
sowie auch die erste Aufführung mit Franz Joseph als Ehrengast, war im Grunde
national-kroatisch geprägt. Dazu fügten sich natürlich Elemente des Kaiserkults, des
dynastischen Patriotismus und der traditionellen kroatischen Kaisertreue. Vlaho Bu-
kovac bemalte den großen Vorhang für die Bühne mit Symbolen und Personen der
kroatischen Nationalbewegung. Der Vorhang sollte den ersten Akt der Aufführung
(mit Protagonisten aus der Illyrischen Nationalbewegung) ergänzen. Aber nach ei-
ner Intervention der Landesregierung wurde dieser Akt verboten. Dennoch wurden
Die Weihe der Kunst. Szenischer Prolog in drei Bildern von Stjepan Miletić und ein
Bruchstück aus der Oper Nikola Šubić Zrinski von Ivan Zajc aufgeführt. Nach der
Aufführung lobte Franz Joseph das Theaterprogramm. Darin integriert waren aller-
lei patriotische Elemente sowie Elemente der typisch kroatischen Identität: neben
einer Franz-Josephs-Büste auf der Bühne und den dynastischen Farben traten auch
slawische Feen und kroatische Offiziere auf, die gegen die osmanischen Janitscharen
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918