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Ansetzen und erhalten von S e i n - und Most-Essig. I n
große Flaschen oder Krüge gibt man Essiamutter*), etwas Essig und Wein.
Man stellt sie an einen warmen Trt (in die Nähe des Herdes) und deckt sie
nur leicht zu, bis der Essig scharf genug ist. Nun nimmt man eine kleinere
Flasche voll davon herab, und gibt dafür wieder Wein dazu. Wenn der Essig
einmal recht beißend scharf ist, so gibt man manchmal etwas frisches, reines
Regenwaffer in die Flasche. Hat man mehrere solche Flaschen, so wechselt man
mit dem Herausnehmen ab. Viele Hausfrauen sagen, daß dieses Nach'üllen
immer Freitags geschehen soll, was wenigstens so viel bedeutet, daß man regel-
mäßige Zwischenräume beobachten, und überhaupt in einem geordneten Haus-
halte jede Arbeit an bestimmten Tagen verrichten müsse.
Im März, schüttet man den klaren Essig ganz aus den Flaschen; dann
auch die Essigmutter und den Bodensatz in ein anderes Geschirr, wäscht erstere
mit Essig ab, und gibt sie mit dem klaren Essig wieder in die rein ausgewasche-
nen Flaschen.
Wenn in diesem Monate Schnee fällt, gibt man einige Hände voll in
jede Flasche.
Um den herabqeschütteten Essig haltbar zu machen, kocht man ihn, aber
nur 1 Minute lang (jedoch nicht in Metallgeschirr), und hebt ihn nach gänzli-
chem Erkalten, in Flaschen oder Fäßchen gefüllt, im Keller auf.
Ebenso verfährt man mit Essig von ausgegornem Obstmost.
Gewöhnlich werden die Wcinreste vou ausgeleerten Fässern, und was
von der Pippe abrinut, dazu verwendet.
Schlecht gewordenen Weinessig wieder gut zu machen
gibt man unreife Weinbeeren in die Flaschen oder Fässer und wenn er auch
trübe ist, aufgelöste echte Hauscnblase dazu, schüttelt den Essig damit tüchtig auf,
läßt ihn dann rukig stehen und zieht ihn, nachdem er sich gesetzt hat und ganz
klar ist, in ein anderes Geschirr. Zu 10 Maß Essig nimmt man 3 Weintrauben,
die erst anfangen weich zu werden, rupft sie von den Stängeln, mischt sie
mit Essig und hängt sie, in Lein wand sackchen gefüllt, in den Essig.
Himbcer- , Weichsel- oder Ber t ram-Ess ig . Zu 1 Maß
ausgesuchte Waldhimbecren nimmt man 2 Maß guten Weinessig. Man gibt
die Himbeeren in eine Flasche mit weitem Hals, den Essig dazu, macht sie aber
nicht ganz voll und stopft sie zu. Man stellt sie durch 3 Wochen in die Sonne.
Nach dieser Zelt seiht man den Essig, füllt ihn in kleinere Flaschen und gibt in
jede 1 Löffel v"ll feines Tafelöl. Gut verstopft und verpicht, in einen Keller
gestellt, kann man ihn Jahre laug aufheben.
Weichsclcssig wird ebenso bereitet, und ist ebenfalls zu grünem und vor-
züglich zu Erdäpfel - Salat sehr gut.
Wenn man nicht tzsfissmutter von dergleichen Knigen oder Fässern bat, lann man
selbst welche bereiten, indem man 2 Loth Weinstein mit scharfem Weinessig befeuchtet
und einige Tage liegen läßt, worauf man ihn zu Kugeln formin. Diese legt man
nebst einigen Bogen zerissenem Posivapier, oder Pappendeckel. 8 Tage lang in scharfen
Cssig. Nach Verlauf dieser Zeit, macht man daraus kleine Kugeln, läßt sie trocken
werden und gebraucht sie zum Ansehen, wt« die rechte Essigmutter.
Die Süddeutsche Küche
auf ihrem gegenwärtigen Standpunkte
- Title
- Die Süddeutsche Küche
- Subtitle
- auf ihrem gegenwärtigen Standpunkte
- Author
- Katharina Prato
- Publisher
- U. Leykam's Erben
- Location
- Graz
- Date
- 1858
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 37.2 x 65.9 cm
- Pages
- 350
- Keywords
- Kochbücher, Kochen, Rezepte
- Category
- Küche und Garten