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sicherweiß und gut kann, der ermutigt, mit Fehlern produktiv umzu-
gehenunddieAnstrengungderWiederholungzueinembewusstenund
verantwortungsvollenMiteinandermacht (Beywl&Odermatt 2019).
Ein Beispiel für das Lernen im Sinne der natürlichen, sichtbaren
Pädagogik ist der Leseerwerb. Er ist anders als der Spracherwerb nicht
angeboren, sondernalleinkulturellvermittelt.KinderbeginnenLesenzu
lernen, indemihnenvorgelesenwirdunddasmöglichst früh schonvon
möglichst kompetenten Lesern, zu denen einZutrauen besteht.Wenn
Mütter oder Väter vorlesen, dann stellen sie eine gemeinsame Auf-
merksamkeit her, benutzen einen reicheren Wortschatz, komplexere
GrammatikwieetwaKomplementsätze,nutzenneuediskursiveFormen
undbringenvieleDinge zurSprache, dienicht zurdirektenUmgebung
vonKindern gehören.Elternmachen also von sich aus dasErlernendes
Lesens zu einer herausfordernden, nicht zu einer leichten Aufgabe, zu
einerAufgabederwiederholtenAnstrengung. Sie lenken immerwieder
die Aufmerksamkeit auf das, was wissenswert ist, machen die Welt
komplizierterundstellendabeieinenCommonGroundher,derdannfür
das eigene Lesen und auch das eigene Schreiben so wichtig ist. Nicht
zufällig gehört auchheutederBildungsgradderMutter zuden stärksten
Prädikatoren für denLernerfolg vonKindern.Kinder aus sozial schwä-
cherenFamilien,diewenigerWörtergehörthaben,wenigerGrammatik
aufgenommenundwenigerüberdieWelt schongelernthaben, tun sich
schwerermit demLesen lernen, dennTexte zu verstehen, setztWelt-
wissen voraus.WennWörter fehlenunddamitWeltwissen,wirdLesen
lernen schwieriger.Man sprichtmitRecht auch von der ,frühenKata-
strophe’einesgeschätztenUnterschiedsvonmehrereMillionenWörtern,
die Dreijährige schon gehört haben oder eben aufgrund sozialer Be-
nachteiligung bzw. Bildungsferne nicht gehört haben und dann auch
nichtkennenundkönnen(Hart&Risley2003).Lesenzu lernen istdort
keine herausfordernde und daher dann auch so befriedigendeHeraus-
forderung. Daher ist der pädagogische Ansatz auch so fatal gerade für
Kinder aus sozial schwächeren Familien, der Lesen als abstrakte Kom-
petenz auffasst und Schulbüchermit austauschbarenÜbungstexten ver-
sieht stattmitTexten,diedasWeltwissenvonKinderngezielt erweitern.
Kinder lernennichtKompetenzen, sondernWissen,wieNatalieWexler
jüngst in ihrer Kritik des amerikanischen Bildungssystems scharfsinnig
argumentierthat (Wexler2019).WasalsTatsachenzuwissenbedeutsam
ist, das sagt einem nur die soziale Welt. Auch diese Regularien des
Lernens gelten für das digitale Lernenunverändert.
Gibt es digitales Lernen? 81
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Title
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Subtitle
- Einwürfe und Provokationen
- Authors
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Editor
- Bert te Wildt
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Oldenburg
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 206
- Keywords
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Category
- Technik