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am (sehr) frühen Sonntagmorgen derKlausur;während des Statements
habe ich Stellen verworfen, andere überlesen und weitere Beispiele
hinzugefügt. Ich machte mir Notizen in der Aussprache und als ich
wieder zuhausewar, schrieb ich einenBlogartikel zurKlausur (Hermes
2019), in dem ich wiederum eine angepasste Version des Statements
unterbrachte.SchließlichnahmichmehrfacheAnläufezurErstellungder
Fassung fürdenEssayband,die ich fast rechtzeitig einreichte, schließlich
kamennoch die finalenÜberarbeitungen hinzu. Es liegt auf derHand,
dass ich zum Zeitpunkt des ersten Entwurfs unmöglich hätte sagen
können, wie der Text der endgültigen Druckfassung aussehen würde.
Aber ich hatte zumindest Leitlinien bei der Abfassung. Zu den ur-
sprünglichenLeitideen sindweitereGedankenhinzugekommen, andere
weggefallen. Am Ende stand ein völlig anderer Text als am Anfang.
Natürlichwurde dieser Prozess auch vonRückmeldungen der anderen
Klausurteilnehmerinnenund-teilnehmerbeeinflusst, letztlichwareraber
vor allemdas Produkt eines einzelnen Individuums (hier:mir).
In den verschränkten gesellschaftlichen Subsystemen Bildung und
Hochschule existiert dagegen eineVielzahl von Individuenmit eigener
Agenda und Akteuren mit teils lose definierten Rollenprofilen, hinzu
kommenwechselndeAnsprüchederUmwelt/Gesellschaft. Jedenochso
kleine Änderung hat unmittelbare und teilweise nur sehr schwer vor-
hersagbareAuswirkungenaufdieGesamtsystemeunddieAnsprüche,die
an bestimmte Akteure gestellt werden. Darüber hinaus ist man ge-
zwungen –will man die Subsystememodifizieren – in den laufenden
Betrieb einzugreifen, kannmandochkeineparallele Struktur aufbauen,
mit dermandie alte ersetzt,wenn jene vollendet ist.
Nur ein einzelner Aspekt der Veränderung betrifft die Digitalisie-
rung. Ich hatte in einemderAteliers derKlausur gehört, dass dieDigi-
talisierungvonmanchenalsÜbergangsprozess hin zueinemEndzustand
verstanden wird. Irgendwann seien für alle Bedürfnisse die perfekten
ToolsentwickeltundindiesemZugdieDigitalisierungsherausforderung
bewältigt. Ichdenkenicht, dass diesesSzenario jemals eintretenwird,da
es immerwiederneue,nochbessereTools für immerwiederneue,heute
noch gar nicht absehbare Herausforderungen zu entwickeln gilt. Der
Prozess derDigitalisierungwirdnicht irgendwannenden, sondern auch
Teilbereiche ergreifen, bei denen heute noch niemand an eineDigita-
lisierung denkt.Auf welchenPfaden das geschehenwird, ist schwer bis
überhaupt nicht zuprognostizieren.
Dass ich es für unmöglich halte, eineHochschule in 20 Jahren vor-
herzusagen,heißtallerdingsnicht,dasserstgarkeineVisionenentwickelt
Vision als Prozess 95
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Title
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Subtitle
- Einwürfe und Provokationen
- Authors
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Editor
- Bert te Wildt
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Oldenburg
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 206
- Keywords
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Category
- Technik