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erfüllen ist, desto fester sind ihre Überzeugungen zu diesem Thema.
Deshalb hat das Lehramtsstudium beispielsweise einen verhältnismäßig
kleinen Einfluss darauf, wie Lehrerinnen, wie Lehrer sind und unter-
richten – denn sie alle haben 13 Jahre Beobachtungslernen in einer
prägendenPhasehinter sich.DasSchulsystemverändert sichdeshalb am
langsamsten von beinahe allen Bereichen derGesellschaft. SollenRol-
lenbilder verändert werden, müssen sie aufgebrochen werden. Dies
funktioniert ambesten,wennman sie in einen radikal anderenKontext
setzt. Hat man als Dozentin einen klassischen Seminarraum vor sich,
springtman fast automatisch in das Schema eines klassischen Seminars,
wie man es kennt. Steht man stattdessen in einer Eissporthalle, mit
demselbenZiel,Seminarinhaltezuvermitteln,mussmansichdafürmehr
oderweniger neueSchemata aufbauen.EineVeränderungdesRaumes,
der genutztenMedien, der Lernenden oder der Inhalte sind alles hilf-
reicheMittel zurErarbeitungneuerKonzepte.
Ein zweiterWeg ist es, dieBeteiligten in ein neuesUmfeld zu ver-
setzen.ZusätzlichzuihrerArbeit inderBildungsinstitutionansichsollten
sie die Zeit haben, auch andere Institutionen zu erfahren und darin zu
arbeiten, wo Digitalisierungsprozesse sich sowohl auf technischer, als
auch auf sozialer Ebene bereits vollzogen haben. Hier können neue
Schemata für die eigeneArbeit übernommenwerden.
DerKernpunktbeidiesenundähnlichenAnsätzenbestehtdarin,allen
Beteiligten zu jeder Zeit ein Gefühl der Verantwortlichkeit und der
SteuerungdesVeränderungsprozesses zu geben.Menschenwerden sich
immer gegen jedenProzesswehren, in dem sie selbstObjekt sind.Von
außen zu kommen und zu erklären, dass sich die Institution jetzt ver-
ändernwerdeundmansichselbstmitihrzuverändernhabe,ist seltenvon
Erfolg gekrönt. Es sollte vielmehr Aufgabe eines klugen ChangeMa-
nagement sein, zusammenmit demgesamtenKollegiumund allenBe-
teiligten auszuarbeiten, wie eine Vision der Zukunft aussehen könnte.
Dies sollte möglichst außerhalb der eigenen Räume und Strukturen
geschehen. Alle müssen sich nicht nur mitgenommen fühlen, sondern
müssen tatsächlichGestalterinnen undGestalter der Veränderungwer-
den.
Dem allen geht natürlich derwichtigste Faktor voraus: der Verän-
derungswille. Ist dieser nicht bei einer kritischenMenge der Akteure
gegeben, kann der Prozess überhaupt nicht gelingen.Und hier ist Bil-
dungs-, Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit geboten. Deshalb ist
Digitalisierung in erster Linie Beziehungsarbeit. Die Beteiligten, allen
voran die Beteiligten mit Autorität, müssen verstehen, dass für sie die
WieVeränderung gelingt 103
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Title
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Subtitle
- Einwürfe und Provokationen
- Authors
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Editor
- Bert te Wildt
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Oldenburg
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 206
- Keywords
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Category
- Technik