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„Youwasted$150,000onaneducationyoucoulda got for $1.50 in late
fees at the public library.“
Es gibt rührendeGeschichtendarüber,was sichMenschendankdes
Internets und ganz ohne Zutun von Bildungsinstitutionen beigebracht
haben.DiemeistenMenschen sind jedoch nur teilweise autodidaktisch
veranlagt und brauchen portionierte und kuratierteWissensvermittlung
sowiemoderierteReflexionsprozesse.
DieVermittlungvonGrundwissenhatkeineswegsausgedient.Denn
erstens:Grundwissen ist dieVoraussetzung, umzusätzliche Informatio-
nen fruchtbar zu nutzen und deren Glaubwürdigkeit und Korrektheit
einzuschätzen. Zweitens ist nur das Wissen für unsere kurzfristigen
Entscheidungen bedeutsam, über das wir auswendig verfügen. Wir
müssten sonst ja wissen, dass wir auf unsererWissensmaschine in der
Hosentasche überhaupt etwas nachschauenmüssten.WarenLehrperso-
nen und Dozierende jemals nur zurWissensvermittlung da? Die Be-
ziehung zwischenLernendenundLehrenden ist nachweislich einer der
zentralenFaktoren für Lernerfolg.
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Wir sollten etwas weniger auf KI- und Robotik-Expertinnen und -Experten
hçren, wenn es umdieZukunft derArbeitswelt geht.
„WirhabeneinBildungssystem,dasMenschennachMaßstäbenvon
gestern ausbildet, für eineWelt, die es morgen gar nicht mehr geben
wird.“ So ähnlich lautenEinschätzungen vonverschiedenenPropheten
und Trendforschern der Stunde. Auf Basis einer der besonders falsch
verstandenen Studien, der Frey/Osborne-Studie von 2013, argumen-
tieren und warnen sie, dass digitale TechnologienMillionen von Jobs
kosten werden (die Studie hielt fest, dass 47% der Jobs einem hohen
Digitalisierungsrisiko ausgesetzt seien) und dass das aktuelle Bildungs-
system daher ohnehin hoffnungslos veraltet sei.Worum sie sich nicht
kümmern: dass die reißerischen Schlagzeilen um die angeblichenRe-
kord-Jobverluste einer empirischen Überprüfung kaum standhalten.
Besagte Frey/Osborne-Studiewurde an derUniversitätOxford durch-
geführtmit Fokus auf dendamaligenUS-Arbeitsmarkt.Befragtwurden
Robotik- und Automatisierungsspezialisten, nicht Arbeitsmarktexper-
tinnenoderWirtschaftshistorikerinnen.Nichteinberechnet ist,dassneue
Jobs dazu kommen könnten und dass nur Tätigkeiten und nicht ganze
Jobprofile digitalisiertwerden.
ZehnThesen zuBildungundDigitalisierung 145
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Title
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Subtitle
- Einwürfe und Provokationen
- Authors
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Editor
- Bert te Wildt
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Oldenburg
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 206
- Keywords
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Category
- Technik