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PhilippeWampfler
Waswir vonGoogleBooks über dieZukunft der
Hochschulen lernenkönnen
DieserEssaykombiniert einehistorischgeprägteBeobachtungmit einer
KritikhistorischerBeobachtungen.DeshalbarbeiteterzweiBeispieleaus,
die für sich jeweils aufschlussreich für die aktuelle Diskussion über die
Schul- undHochschulentwicklung unter denBedingungen derDigita-
lisierung sind. Sie sollen das prognostische Denken an historische Er-
fahrungen zurückbinden, dabei aber auch davorwarnen, denBlick aus
derGegenwart in die Vergangenheit als zentralenMaßstab für die Be-
urteilung vonZukunftsszenarien zu verwenden.
Wie ist das zu verstehen? In der Ausbildung von Lehrerinnen und
Lehrern werden verschiedene Reflexionsformen eingesetzt, um die
Schulbiografie der angehenden Lehrkräfte darzustellen. Lasse ich Stu-
dierende inmeinemSeminar darüber nachdenken,was ihre prägenden
ErfahrungenimDeutschunterrichtwaren,dannhatdasparadoxeEffekte:
Einerseits orientieren sich die Studierenden an ihren eigenenErfahrun-
gen,wennsiesichaufdenLehrberufvorbereiten,andererseitserscheinen
dieseErfahrungen als kontingent,weil siemit denErfahrungen anderer
verglichen werden. Die Erinnerung schafft Anreize, den als Schülerin
oder Schüler erlebten Unterricht als Lehrkraft zu reproduzieren,
gleichzeitigmacht sie dieseoft unbewussteOrientierung ander eigenen
Lern- und Schulbiografie reflexiv verfügbar und dadurch veränderbar.
Die Übung suggeriert, die Schulerfahrung sei auch Jahre später noch
direkt erinnerbar. Eingebettet in ein Seminar-Setting verdeutlicht sie
aber, dass hier nicht Schülerinnen und Schüler überUnterricht disku-
tieren, sondern Lehramtsstudierendemit ihrer Expertise erinnerteUn-
terrichtserlebnisse analysieren.
DiesedoppelteFormderRückschau sollhierexemplarisch inBezug
auf den Medienwandel übertragen werden, indem historische Ent-
wicklungen auf eineArt undWeise nachgezeichnetwerden, die sie als
provisorischenOrientierungspunkt fürEntwicklungenerscheinenlassen.
Dabei schwingt das Bewusstseinmit, dass es zwar „Standardsituationen
derTechnologiekritik“ gibt, wie dasKathrin Passig genannt hat – aber
keine Standardmuster der Entwicklung von Institutionen unter verän-
dertenmedialenBedingungen.
Open Access. © 2020 Philippe Wampfler, publiziert von De Gruyter. Dieses Werk ist
lizenziert unter der Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 Lizenz.
https://doi.org/10.1515/9783110673265-015
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Title
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Subtitle
- Einwürfe und Provokationen
- Authors
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Editor
- Bert te Wildt
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Oldenburg
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 206
- Keywords
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Category
- Technik