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nichtganzeinfachzumessenist,undinunterschiedlichenFachbereichen
unterschiedlicheKriterien angelegtwerdenmüssen.
EineAnalogie zur Situation an denHochschulen findetman in der
Profession der Berufspolitikerin oder des Berufspolitikers. Auch hier
findet eine Entfremdung vom normalen Berufsalltag vieler Menschen
statt und die Durchlässigkeit zwischen Politik undWirtschaft ist sehr
gering. Mir erscheint es möglich, eine unabhängige Forschung ohne
Beamtentum zu realisieren, welches in einer höheren Durchlässigkeit
zwischenWissenschaftundWirtschaftunddamit ineinerstimulierenden
Gesamtatmosphäre und alltagsnäherenGrundlagenforschung resultieren
würde.EineVoraussetzung für einenWechsel zwischenWirtschaft und
Wissenschaft wäre eine leistungsbasiert an die Wirtschaft angepasste
Gehaltsstruktur.
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Eine existentielle Frage für dieHochschule der Zukunft lautet meines
Erachtens: Wie kann man High Potentials überhaupt noch an der
Universität halten? Wenn uns das nicht gelingt, könnten die Folgen
dramatisch sein. Das Hochschulpersonal, welches Generationen an
jungenMenschen ausbildet, ist irgendwannnurnoch zweite oder dritte
Garde.Zusätzlich könnenHochschulen aufgrundunzureichenderRes-
sourcen nicht in der Forschungmit großenKonzernenmithalten. Das
letztePfundderHochschule,nämlichdortwirklichunabhängigarbeiten
zukönnen,ist spätestensdannauchweg.Wasbringteinempersönlichdie
Unabhängigkeit an einerHochschule, wenn keine ausreichenden For-
schungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen?Hält der Trend der Ab-
wanderungvonGehirnmassezuTech-Unternehmenan,entstehtWissen
zunehmend schneller in derWirtschaft.DiesesWissen bleibt dann aber
hinter einer Bezahlschranke undwird somöglicherweise nur in gerin-
geremUmfangzumWohlederganzenGesellschafteingesetzt.Zusätzlich
besteht die Gefahr, dass die Unternehmen als Geldgeber unredlich
Einfluss auf Ergebnisse inderForschungnehmen,waskürzlichwohl im
FalleGoogle geschehen ist (Fuhrer 2017).
Was istnunderAusweg?Umehrlichzusein–ichweißesnicht.Die
ProfessorinMaja Pantic´ vom Imperial College London schlug kürzlich
vor, dass die Politik dieGehälter fürWissenschaftlerinnenundWissen-
schaftlerindenTech-Unternehmenregulierensollte,sodasseinWechsel
ins Silicon Valley oder zu Tech-Unternehmen unattraktiver erscheint,
ChristianMontag170
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Title
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Subtitle
- Einwürfe und Provokationen
- Authors
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Editor
- Bert te Wildt
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Oldenburg
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 206
- Keywords
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Category
- Technik