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MarkoDemantowsky
Quoante.Die natürlicheResilienz gegenüber
radikalenVeränderungenunddie digitale
Transformation
1– InstitutionelleResilienz
Der tertiäre Bildungsbereich,Universitäten undHochschulen allerArt,
bereitet jungeMenschen auf ihr künftiges Leben, insbesondere ihr be-
rufliches, in der bürgerlichenGesellschaft und ihre Verwendung darin
vor.Daswar seine offizielle Aufgabe, seit dieser Bereich in verschiede-
nen Formen, demWesen aber gleich, seit dem Beginn aller staatlich
organisierten Zivilisation institutionell eingerichtet, auskömmlich fi-
nanziert und auf absehbare Dauer gewährleistet worden ist: die Be-
gründung seiner Existenz. Akademische Expertinnen und Experten,
Literate,waren zunächst und sind bis heute für dieTradierung der reli-
giösenÜberlieferunggefragt.Die fortschreitendeAusdifferenzierungder
wirtschaftlichenundkulturellenReproduktion führte rasch zuweiteren
Angeboten tertiärer Expertenbildung.DieHumboldtsche Idee tertiärer
Bildung (Gall 2011, 162–65)machte vondieserZwecksetzung,wieoft
fälschlichunterstelltwird, keineAusnahme.Humboldt sorgtemit seiner
Modell-Universitätsgründung von 1809 nur für effektivereMethoden
und organisatorische Rahmungen im Horizont seiner Gegenwart.
Hochschulen verdanken ihre externeZwecksetzung der pragmatischen
Zukunftsvorbereitung, und siemüssen sich beständig fragen lassen,wie
sie diesemAuftrag gerechtwerden.
Die grundsätzliche Schwierigkeit, ja: fast eine Aporie dieser Kon-
stellation, eine auf die Zukunft gerichtete Zwecksetzung in ein didak-
tischesHandeln inderGegenwart zuüberführen,gleichsaminsBlauezu
handeln, wird gerne mit einem abstrakten Verweis auf das Potential
akademischerFreiheit ineinemSystemverantwortlicherSelbststeuerung
zwar rhetorisch überbrückt, aber in der Sache nur unzureichend adres-
siert. Für die Belange universitärer Forschung, die per definitionem,
jedenfalls ihrer Ideenach, in ihremAusgangoffen ist,magdas eine gute
Antwort sein. Für den Bereich der akademischen Lehre hingegenmit
seinemApparat vonReglementen, kanonischenVorgaben, Prüfungen,
Open Access. © 2020 Marko Demantowsky, publiziert von De Gruyter. Dieses Werk
ist lizenziert unter der Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 Lizenz.
https://doi.org/10.1515/9783110673265-017
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Title
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Subtitle
- Einwürfe und Provokationen
- Authors
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Editor
- Bert te Wildt
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Oldenburg
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 206
- Keywords
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Category
- Technik