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›Virtuelle Museen‹: Medienwechsel und Kontinuität | 169
immaterielle Infrastruktur, die sich außerhalb der Decks individueller Kommunikati-
onsteilnehmer befindet (vgl. ebd.).
Entscheidend für Novaks Vorstellung vom Cyberspace ist zunächst der Begriff
des »Hypermediums« − der in seiner Diktion all jene Medientechnologien beschreibt,
die unterschiedliche mediale Formen wie Bild, Video, Schrift und Tonwiedergabe
miteinander verbinden − und die an diesen anknüpfende Unterscheidung zwischen
›passiven‹ und ›aktiven‹ Hypermedien (ebd.: 230). Passiv sind für Novak Hyperme-
dien, die in ihrer Entstehung ein einziges Mal in einer endgültig bleibenden Form
verfasst werden und zwar rezipiert, aber nicht mehr verändert werden können. Aktiv
sind solche, die über ihre ursprüngliche Entstehung hinaus veränderlich bleiben bzw.
die bereits aus ihrer Entstehungssituation heraus mit Mechanismen versehen sind, die
Veränderungen begünstigen oder veranlassen (vgl. ebd.). Darüber hinaus akzentuiert
Novak den Aspekt der Intermedialität als einen abermals räumlichen: Während bei
Wexelblat die ›Dimensionen‹ des Cyberspace semantische sind (Bewegung im Cy-
berspace bedeutet für ihn eine Aktualisierung von Sinnpotentialen, deren mediale Er-
scheinungsform sekundär ist), ergibt sich seine Räumlichkeit für Novak aus seiner
Eigenschaft, Information nicht nur in einer medialen Erscheinungsform wie dem
schriftlichen Text abzubilden, sondern vielmehr unterschiedliche Vermittlungsfor-
men einander ergänzen zu lassen. Die Anzahl der Raumachsen des Cyberspace re-
sultiert demnach aus den medialen Formen, welche Deck und Protokoll dem Nutzer
abzurufen gestatten. Die semantischen Bedeutungen hingegen bestimmen selbst
nicht die Räumlichkeit des Cyberspace, sie füllen vielmehr den Raum aus, der vom
Medium umrissen und definiert wird:
Every node in a hypermedium has a dimensionality. Hypertext, for example, occurs in a one-
dimensional space, but we can easily envision hypermedia with higher dimensions. While the
dimensionality of a node is fixed, the dimensionality between nodes need not be: a word in a
text can open to a hologram, a point within the hologram can open to an animation, a frame in
the animation can return to a text. Every node in a hypermedium is therefore an information
space, a space of potential information, and the »text« of the node is the actual information
within that space. (Ebd.: 230f.)
Während Wexelblat also die McLuhansche Losung vom Medium als Nachricht ge-
wissermaßen dahingehend umdreht, dass die Nachricht das Medium ist (denn erst der
Sinngehalt der Information bestimmt hier die Struktur des Abrufs), sind Botschaft
und Medium in der Cyberspace-Konzeption Novaks zunächst einmal kategorisch ge-
trennt: Der ›Raum‹ ist hier nicht Information, sondern die Bedingung der Möglichkeit
von Kommunikation. Seine Dimensionen sind Potentiale medialen Ausdrucks, ent-
lang derer Information wandern kann. Dabei ist diese intermediale Räumlichkeit für
sich genommen aber noch kein Cyberspace, denn dieser ist ja nach Novaks Definition
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Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Title
- Dinge – Nutzer – Netze
- Subtitle
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Author
- Dennis Niewerth
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Category
- Medien